Das mäßige Abschneiden in Bayern hat für die AfD einen simplen Grund: harte konservative Konkurrenz. Auch die bayerische Regionalpartei Freie Wähler hätten Wahlkampf gegen die sogenannte Massenzuwanderung gemacht, analysiert AfD-Bundeschef Jörg Meuthen am Tag nach der Landtagswahl. Wie die AfD sind sie für den starken Nationalstaat und fremdeln mit den EU-Institutionen – wenn auch weniger radikal. Kurz gesagt: Zur Landtagswahl gab es für die bayerischen Wähler zur Alternative für Deutschland noch eine weitere konservative Alternative.

Meuthen feiert als Erfolg seiner Partei, die SPD unter zehn Prozent gedrückt zu haben. Doch das kann kaum darüber hinwegtäuschen, dass die AfD mit einem Ergebnis von 10,2 Prozent deutlich unter dem Trend auf Bundesebene geblieben ist. Bei der Bundestagswahl 2017 hatte sie 12,6 Prozent erreicht, in Umfragen erreicht sie bis 18 Prozent. Die Zeiten des Aufbruchs, als die AfD – wie etwa in Sachsen-Anhalt oder in Mecklenburg-Vorpommern – Ergebnisse von bis zu 25 Prozent feiern konnte, scheinen vorerst vorbei.

Das schlechte Abschneiden allein mit starker Konkurrenz aus dem konservativen Lager zu erklären, greift aber zu kurz. Der Landesverband Bayern ist seit Jahren zerstritten. Schon in den Anfangszeiten der AfD überzogen sich die verschiedenen Lager mit Parteiklagen, reihenweise legten sich Bezirkschefs mit der Landesführung an. Zur Landtagswahl 2018 konnte man sich noch nicht einmal auf einen landesweiten Spitzenkandidaten oder eine -kandidatin einigen. Die AfD verkaufte die sieben mehr oder minder bekannten Spitzenleute als Team.

Und schon jetzt ist klar: Die 22 Mitglieder große Landtagsfraktion wird sich in zwei Lager spalten. Auf der einen Seite steht Franz Bergmüller. Er ist als Spitzenkandidat in der Region Oberbayern angetreten. Der 53-jährige Unternehmer bezeichnet sich selbst als liberal-konservativ und weist oft auf seinen Großvater hin, der einst im Konzentrationslager saß. Mit Leuten wie Pegida-Mitgründer Lutz Bachmann "gebe ich mich nicht ab", hat Bergmüller einmal gesagt. In der AfD ist Bergmüller umstritten, weil er zuvor in der CSU Mitglied und später bei den Freien Wählern war. Zurzeit läuft sogar ein Parteischiedsverfahren, das klären soll, ob Bergmüller rechtsgültig Mitglied der AfD ist. Der Vorwurf der Kläger: Bergmüller war noch Mitglied bei den Freien Wählern, als er 2013 in die AfD aufgenommen wurde.

Bestes AfD-Ergebnis in Niederbayern

Auf der anderen Seite steht die 40-jährige Bilanzbuchhalterin Katrin Ebner-Steiner, die keine Berührungsangst mit dem rechten Rand der Partei hat. Sie traf sich mit dem Thüringer AfD-Nationalisten Björn Höcke, den sie als den "lieben Björn" ansprach. "Wir sind privat befreundet", relativiert Ebner-Steiner das enge Verhältnis, "politisch aber nicht immer einer Meinung". In Ebner-Steiners Wahlkreis Niederbayern erreichte die AfD zur Bundestagswahl fast 20 Prozent – es war das beste Ergebnis der AfD im Westen. Jetzt holte Ebner-Steiner 13,4 Prozent der Stimmen in ihrem Wahlkreis, das beste AfD-Ergebnis der sieben Wahlbezirke Bayerns. Sie stehe für ein Spitzenamt bereit, sagt sie. Möglicherweise wird sie sich den Fraktionsvorsitz mit Bergmüller teilen.

Über die weiteren Mitglieder der künftigen AfD-Landtagsfraktion ist wenig bekannt. Viele von ihnen sind bislang unauffällig geblieben. Als Kandidaten beklagten sie die mangelnde Innere Sicherheit, warnten vor einer angeblichen Islamisierung Deutschlands und einem "Asyltourismus" – klassische AfD-Themen also. Zum radikalen Flügel der Fraktion dürfte Benjamin Nolte gehören. Der oberpfälzer Kandidat war bereits Führungsmitglied der Patriotischen Plattform, einer Rechts-außen-Vereinigung von AfD-Mitgliedern, die kürzlich ihre Auflösung bekannt gab. Noltes Burschenschaft Danubia München tauchte im Bayerischen Verfassungsschutzbericht auf.