Hessen - Großer Jubel bei den Grünen Bei der Landtagswahl in Hessen wurde die CDU stärkste Kraft, die Grünen legten stark zu und kamen auf rund 20 Prozent. © Foto: Uwe Anspach/dpa

Laut ersten Hochrechnungen zur Landtagswahl in Hessen erreicht die CDU 27 bis 28 Prozent, die SPD kommt auf knapp 20, die Grünen auf über 19 Prozent. Die AfD zieht mit mindestens 12 Prozent erstmals in den hessischen Landtag ein. Die Linke kommt auf 6,6 und die FDP auf 7,2 bis 7,5 Prozent der Stimmen. Alle Werte können sich im Verlauf des Wahlabends noch leicht verändern. Alle aktuellen Zahlen und Entwicklungen lesen Sie in unserem Liveblog.

Im Vergleich zur letzten Landtagswahl 2013 haben damit beide Volksparteien deutlich verloren: Die CDU verlor mehr als zehn Prozentpunkte, die SPD ebenfalls. Sie kam 2013 auf 30,7 Prozent. Deutliche Wahlgewinner sind die Grünen, sie verbesserten sich um mehr als acht Prozentpunkte und verdoppelten damit fast ihr Ergebnis von 2013. Damals hatten sie 11,1 Prozent bekommen.

Sowohl die Linke als auch die FDP legten leicht zu. Erstmals im hessischen Landtag vertreten ist die AfD, sie war 2013 noch mit 4,1 Prozent an der Fünfprozenthürde gescheitert. Aktuell ist unklar, ob CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier die Koalition mit den Grünen weiterführen kann.

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Hessen-CDU und -SPD machten große Koalition in Berlin für Verluste mitverantwortlich

Sowohl Volker Bouffier als auch der SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel machten die Arbeit der großen Koalition im Bund für das schlechte Ergebnis in Hessen mitverantwortlich. "Wir haben nicht nur keinen Rückenwind bekommen, sondern auch regelmäßig Sturmböen ins Gesicht", sagte Schäfer-Gümbel vor SPD-Anhängerinnen und -Anhängern in Hessen. Bouffier sagte, die Botschaft nach Berlin sei klar: "Die Menschen wünschen sich weniger Streit, mehr Sachorientierung."

Der Spitzenkandidat der Grünen, Tarek Al-Wazir, sagte: "Wir sind die Gewinner des Wahlabends." Das Ergebnis sei ein Auftrag, in Bereichen wie Energie-, Agrar- und Verkehrswende weiterzumachen. Außerdem sei es ein Auftrag, "die offene Gesellschaft, in der wir leben, zu verteidigen". Es sei Aufgabe der Grünen, sich "um die Sache zu kümmern", sagte Al-Wazir und griff damit die Kritik an der großen Koalition in Berlin auf.

Hessen-Wahl - Volker Bouffier kündigt Sondierungsgespräche an Die CDU kann trotz hohen Verlusten wohl in Hessen weiterregieren. Spitzenkandidat Volker Bouffier will mit SPD, Grünen und FDP über mögliche Koalitionen sprechen. © Foto: Boris Roessler/dpa

SPD-Vorsitzende Andres Nahles forderte "konkreten Fahrplan" für große Koalition

Kanzleramtschef Helge Braun sieht mit dem Ergebnis einen klaren Regierungsauftrag für die CDU in Hessen. "Die große Koalition wird zusammenrücken", sagte der gebürtige Hesse. Die Grünen werden nach den Worten von Bundeschef Robert Habeck "sehr verantwortungsvoll" mit dem Ergebnis umgehen. Die Grünen seien bereit, Verantwortung zu übernehmen, und man werde jetzt in vielen Sondierungsgesprächen sehen, wie sich am meisten grüne Politik umsetzen lasse, sagt Habeck im ZDF. Am Erfolg der Grünen zeige sich, dass Wahlen nicht nur am rechten Rand zu gewinnen seien. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sprach in der ARD von einem "schlechten Ergebnis" und einem "Signal an die große Koalition, dass die Dinge anders werden müssen". SPD-Vorsitzende Andrea Nahles forderte, es müsse jetzt einen "konkreten Fahrplan" geben, wie es mit der großen Koalition weitergehe.

Laut Umfragen standen für die Wählerinnen und Wähler landespolitische Themen im Vordergrund, vor allem die Bildungs- und die Wohnungsbaupolitik. 60 Prozent der Befragten gaben das in der ZDF-Umfrage an, für 36 Prozent war die Bundespolitik wahlentscheidend. In einer ARD-Umfrage erhielt die schwarz-grüne Landesregierung zudem mit 55 Prozent relativ hohe Zufriedenheitswerte. Demnach bezeichnen in Hessen 85 Prozent der Wahlberechtigten ihre wirtschaftliche Lage als gut. In Bayern sind es vergleichsweise 89 Prozent, in Baden-Württemberg 90 Prozent. Die drei Länder bilden in Deutschland die Spitzengruppe. 50 Prozent gaben bei der ARD-Umfrage allerdings an, sie sähen die Landtagswahl als Denkzettel für die Bundesregierung.

Seit 1999 ist in Hessen die CDU an der Regierung und stellt den Ministerpräsidenten, zunächst mit Roland Koch, dann mit Bouffier, der 2010 nach dem Rücktritt Kochs übernahm. Ihr höchstes Ergebnis erreichte die CDU in Hessen 2003 mit 48,8 Prozent. Seit 2014 regiert die CDU mit den Grünen in Wiesbaden in der ersten schwarz-grünen Landesregierung in einem Flächenland. Die SPD war bis 1987 in Hessen ununterbrochen an der Regierung. Zuletzt stellte sie von 1991 bis 1999 den Ministerpräsidenten. Seitdem ist sie auch nicht mehr an der Regierung beteiligt gewesen. Die Grünen zogen 1982 mit 8 Prozent erstmals in den Landtag ein. 1985 stellten die Grünen in der ersten rot-grünen Regierung überhaupt mit Joschka Fischer erstmals einen Minister auf Länderebene. Ihr derzeitiger Spitzenmann, Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, ist laut Umfragen der beliebteste Landespolitiker in Hessen.