Der frühere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) wünscht sich an der Spitze der SPD einen Politiker wie den linken US-Senator Bernie Sanders. Der Kanzlerkandidat von 2013 riet seiner Partei in der Süddeutschen Zeitung "auf die Kernfrage der gesellschaftlichen Konflikte" zurückzukommen.

Man müsse mutig sein, provozieren und zuspitzen, forderte Steinbrück. Dazu sei ein Wechsel an der Parteispitze nötig. "Das läuft darauf hinaus, dass die SPD eher eine Person wie Bernie Sanders braucht, nur 30 Jahre jünger." Der 77-Jährige gilt in den USA als eine Ikone der Progressiven.

Die SPD hatte bei der Landtagswahl in Hessen deutliche Verluste eingefahren. Das hat die Diskussion in der Partei über einen Ausstieg aus der großen Koalition im Bund erneuert. Die Probleme sind laut Steinbrück auch auf den Erfolg der SPD beim Aufbau eines starken deutschen Wohlfahrtstaates und der Stärkung des Aufstiegs durch Bildung zurückzuführen. Seit dem werde die SPD "nur noch als Reparaturbetrieb oder als eine Art Krankenwagen der Gesellschaft erlebt, der hier mal einen Rohrbruch abdichtet, mal eine Schraube anzieht und dafür sorgt, dass der Mindestlohn um einen Euro steigt", sagte er der SZ. Der große Impetus eines gesellschaftlichen Fortschritts sei verloren gegangen.

SPD - Simone Lange fordert Rücktritt der Parteispitze Die Flensburger Bürgermeisterin will per Urwahl einen neuen Parteivorstand bestimmen lassen. Nur mit einem Personalwechsel könne die SPD Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. © Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Darüber hinaus sieht Steinbrück einen grundsätzlichen Wandel. Viele Mitte-links-Parteien wie die SPD treibe die Sorge um, dass sie in der Bedeutungslosigkeit verschwinden könnten. "Wir haben es nicht mehr allein mit einem klassischen materiell-ökonomischen Verteilungskonflikt zu tun, sondern auch mit einem kulturellen Konflikt", sagte Steinbrück. Das würde die Wählerschaft einer Partei zwischen Globalisierungsbefürworter und jene spalten, die sich abschotten wollen.