Die Bundespolizei wirbt gern mit "Lisa (31 Jahre)". Auf Werbeplakaten lehnt sich die blonde Frau an einen Helikopter und lächelt zurückhaltend in die Kamera, einen Pilotenhelm unter dem Arm. Auch auf anderen Anzeigen, mit denen die Bundespolizei Nachwuchs für sich interessieren will, sind stets Frauen zu sehen. Gleichberechtigt stehen sie dort neben ihren männlichen Kollegen, der Pferdeschwanz schaut unter der Dienstmütze hervor. Manch ein Werbebild für die Bereitschaftspolizei des Bundes kommt sogar ganz ohne Männer aus: Im Einsatzwagen sitzen zwei Polizistinnen, eine Beamtin steht mit Laptop in einem Serverraum.

Doch die Bilder täuschen, sie haben mit der Realität in der Truppe nichts zu tun. Die Bundespolizei ist ein Männerladen und die wenigen Frauen, die es gibt, werden immer wieder an den Rand gedrängt oder einfach übergangen. Bestes Beispiel dafür ist eine Personalentscheidung, die der Präsident der Bundespolizei, Dieter Romann, gerade getroffen hat.

Die oberste Führungsebene ist frauenfrei

Seit 30 Jahren arbeiten Beamtinnen bei der Bundespolizei, doch viele sind es nicht. "Lisa (31 Jahre)" beispielsweise ist zwar wirklich Pilotin in der Fliegerstaffel. Aber sie ist nur eine von sieben Frauen des Flugdienstes der Bundespolizei, die übrigen 201 Piloten sind Männer. Insgesamt arbeiten 41.000 Menschen bei der Polizei des Bundes, aber nur 22 Prozent von ihnen sind Frauen. Zum Vergleich: In den Polizeien der Bundesländer beträgt der Frauenanteil laut Statistischem Bundesamt durchschnittlich 28 Prozent.

Und je höher die Hierarchieebene, desto weniger Frauen finden sich bei der Bundespolizei. Im gehobenen Polizeivollzugsdienst arbeiten noch elf Prozent Frauen, im höheren Polizeivollzugsdienst sind es nur noch knapp neun Prozent. Die oberste Führungsebene der Bundespolizei ist sogar komplett männlich. Dabei schreibt das Bundesgleichstellungsgesetz seit 2001 vor, Männer und Frauen in allen Führungsebenen gleichzustellen und "strukturelle Benachteiligungen von Frauen durch deren gezielte Förderung zu beheben".

"Frauen gehen in dieser Organisation unter, auch wenn sie keine Kinder bekommen und auch wenn sie bereit sind, für den Dienst kreuz und quer durch die Republik zu ziehen", sagt ein Insider, der aus Sorge um seinen Job anonym bleiben will.

Die Bundespolizei hat zwölf Direktionen und ein Präsidium, sie alle werden von einem Polizeipräsidenten geleitet. Den höchsten Rang, den Frauen in der Hierarchie der Polizei des Bundes bislang erreicht haben, ist Vizepräsidentin. Gerade einmal vier gab es bislang davon. Geht es nach Polizeichef Romann, soll das auch erst einmal so bleiben.

Polizeipräsidenten sollen länger dienen

Denn Romann ist gerade dabei, alle kommenden Beförderungschancen in die oberste Ebene zunichte zu machen. In einem Brief an den "lieben Horst Seehofer" hat er den Bundesinnenminister am 22. Juli darum gebeten, die derzeitigen Polizeipräsidenten länger als geplant dienen zu lassen. Eigentlich müssten acht der insgesamt zwölf Polizeipräsidenten im Jahr 2019 in den gesetzlichen Ruhestand versetzt werden, womit Plätze frei würden, in die erstmals auch die Vizepräsidentinnen aufrücken könnten.

Aber er will sie nicht gehen lassen. "Die derzeitige Führung ist kooperativ, effizient und in den schwierigen Zeiten, die 2019 nicht zu Ende sein werden, als krisenerprobtes Team unverzichtbar", hat Romann dem Bundesinnenminister geschrieben. Als "routinierte Polizeiführer" seien sie "Garanten für die innere Sicherheit in unserem Land" und es wäre "schlicht nicht zu verantworten, wenn wir sehenden Auges einen solchen Verlust an Berufs- und Lebenserfahrung" zulassen würden. Seehofer solle ihren Ruhestand daher bitte "um ein bzw. zwei Jahre" hinausschieben. Die "gefährliche Kumulation von Führungswechseln" könne damit entzerrt werden.

Noch ist über den Plan nicht entschieden

Dass sein Plan den lange vorbereiteten Karrieresprung dreier Frauen in die Führungsspitze unmöglich macht, ist ein Kollateralschaden, für den sich Romann offenbar nicht interessiert. Denn natürlich haben all diese Präsidenten auch Stellvertreter und sogar Stellvertreterinnen. Die Frauen wurden sogar gezielt gefördert, um letztlich eine Bundespolizeidirektion zu leiten. Nun aber sollen sie zurückgestellt werden.

Die Führungsriege der Bundespolizei sei "ein typisches Beispiel dafür, wie männliche Seilschaften funktionieren", sagt der Insider. "Sie stammen alle aus dem gleichen Einstellungsjahrgang, sie kennen sich, sie haben sich gegenseitig mit Posten versorgt." Die meisten hat Romann selbst ernannt.

Die Bundespolizei will auf Fragen zu diesem Vorgang nicht antworten, dafür sei das Bundesinnenministerium zuständig, zu dem die Bundespolizei gehört. Das BMI teilte mit, von Dienstzeitverlängerungen würde nur in begründeten Einzelfällen Gebrauch gemacht, wenn "ausnahmsweise ein dienstliches Interesse daran besteht, die Expertise und Erfahrung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Organisation über den Zeitpunkt des gesetzlichen Eintritts in den Ruhestand hinaus zu erhalten". Auch gebe es ausreichend "leistungsstarkes und förderungswürdiges Personal", das für die Nachfolge in diesen Spitzenfunktionen geeignet sei. Über den Plan sei im Übrigen noch gar nicht entschieden, sagte ein Sprecher.

Die zuständige Abteilung im Ministerium leitet eine Frau. Sie soll gegen die Verlängerung der Dienstzeit sein, heißt es inoffiziell aus dem Innenministerium. Doch die Entscheidung fällt letztlich der Minister, Horst Seehofer.