Die CSU hat in Bayern die absolute Mehrheit verloren und kann nicht mehr alleine regieren. Am Mittwoch haben in München die ersten Sondierungsgespräche mit den Freien Wählern und den Grünen begonnen. Ministerpräsident Markus Söder und Parteichef Seehofer hatten zuletzt immer wieder betont, dass sie ein Bündnis mit den Freien Wählern bevorzugen. Doch sind sie tatsächlich die kompatibleren Koalitionspartner für die CSU?

Eine erste Antwort darauf kann hier ein Blick in den Katalog des Wahl-O-Mat zur bayerischen Landtagswahl geben. Damit sich die Wahlberechtigten vor der Stimmabgabe mit den inhaltlichen Positionen der Parteien vergleichen können, hatte die Bundeszentrale für Politische Bildung vor der Wahl einen Thesenkatalog an die Parteien verschickt. Wir haben ausgewertet, wie sie auf diese insgesamt 38 Thesen geantwortet haben und wie häufig sie dabei einer Meinung waren. Der Blick auf die Zahlen zeigt, dass die CSU mit den Antworten der AfD die höchste Übereinstimmung (58 Prozent) hatte. Erst danach folgt aus Sicht der CSU der potenzielle Koalitionspartner mit den Freien Wählern. Mit ihnen hat die neue und alte Regierungspartei eine Deckungsgleichheit von 47 Prozent. Christsoziale und Grüne sind in nur 18 Prozent der Antworten einer Meinung.

Im Wahl-O-Mat stecken innerparteilich abgestimmte Antworten. Für einen detaillierteren Blick hatte auch abgeordnetenwatch.de vor der Wahl jeden bayerischen Landtagskandidaten gebeten, einen Fragenkatalog in ihrem "Kandidatencheck" zu beantworten. Diese persönlichen Antworten haben wir ebenfalls für die nun gewählten Landtagsabgeordneten ausgewertet und berechnet, wie groß ihre inhaltliche Nähe (oder Distanz) ist. Schon das visuelle Ergebnis zeigt, dass die Kandidaten einer Partei in der Regel wie erwartet eine große inhaltliche Nähe haben.

Deutlich wird auch hier die große Distanz zwischen CSU und Grünen. Die Politikerinnen und Politiker der Freien Wähler sind zwar inhaltlich näher an den Christsozialen, zeigen aber dafür eine größere Streuung in ihren Antworten. Wie sich das auf die Entscheidungsfindung innerhalb der Fraktion und der Arbeit einer möglichen Regierungskoalition auswirkt, dürfte spannend werden. Auch innerhalb der CSU gibt es eine inhaltliche Streuung. So fällt zum Beispiel mit Kerstin Schreyer eine deutliche Ausreißerin ins Auge. Sie wurde wieder in den Landtag gewählt und ist amtierende Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales. Ihre inhaltliche Distanz zu möglichen Koalitionspartnern wie der Grünenabgeordneten Gisela Sengl oder Manfred Eibl von den Freien Wählern ist enorm. 

Aus den Daten von abgeordnetenwatch.de lassen sich obendrein die Themenfelder identifizieren, auf denen die CSU am weitesten von den beiden möglichen Koalitionspartnern entfernt ist. Zum Beispiel bei der Schaffung von Transparenz: Während die CSU-Abgeordneten nahezu einhellig ein verbindliches Lobbyregister ablehnen, in dem unter anderem Kontakte zwischen Interessenvertretern und Politikern veröffentlicht werden, sind Grüne und Freie Wähler mehrheitlich dafür.

Auch bei der Befürwortung für den Bau einer dritten Landebahn am Münchner Flughafen gibt es Dissens: Während die meisten CSU-Landtagsabgeordneten dafür sind, lehnen es die beiden möglichen Koalitionspartner ab. Insgesamt zeigt die Auswertung sehr eindrücklich, dass es für die Christsozialen viel häufiger bei den Grünen gegensätzliche Themenfelder gibt. Am deutlichsten wird es beim Thema Migration. Während die Grünen als neue zweitstärkste Kraft im Parlament grundsätzlich die Zurückweisung von Asylsuchenden an der bayerisch-österreichischen Grenze ablehnen, können sich das die Abgeordneten der Freien Wähler gut vorstellen. Und auch, dass Asylsuchende eher Geld- statt Sachleistungen bekommen sollten, dürfte auf wenig Gegenwehr aus ihren Reihen stoßen.

Geht es nach dieser Auswertung, dürften die Sondierungsrunden mit den Grünen schnell beendet sein und nur aus rein demokratischer Höflichkeit stattfinden. Dafür sind die Unterschiede doch zu groß.