Eine Woche vor der Landtagswahl in Bayern sieht sich die CSU mit schlechten Umfragewerten konfrontiert, von einer absoluten Mehrheit ist die Partei weit entfernt. Laut einem Bericht des Spiegel prüft die Partei nun, Parteichef Horst Seehofer von möglichen Koalitionsverhandlungen auszuschließen. Mitglieder des Parteivorstands bereiten demnach einen entsprechenden Beschluss für ihre Sitzung am Montag nach der Wahl vor.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hatte die große Koalition zuvor mitverantwortlich für die schlechten Umfragewerte gemacht. "Das sind natürlich alles Zahlen, die unglaublich geprägt werden durch die Berliner Politik", sagte Söder. Er kritisierte indirekt auch das Verhalten Seehofers im Zusammenhang mit der Flüchtlingspolitik: "Ich gebe zu: Das waren nicht gerade unsere allergrößten Sternstunden!" Söder hatte das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten im März von Seehofer übernommen.

Horst Seehofer wies eine Mitverantwortung für die schwachen Umfragewerte zurück. "Ich habe mich in den letzten sechs Monaten weder in die bayerische Politik noch in die Wahlkampfführung eingemischt", sagte der Bundesinnenminister der Süddeutschen Zeitung. "Das ist das persönliche Vorrecht des Ministerpräsidenten Markus Söder." In der Migrationsdebatte und bei der Frage der Zurückweisung von Flüchtlingen an der Grenze sei die Partei eingebunden gewesen. "Das geschah nicht gegen, sondern auf Bitten aus Bayern."

Söder ist nicht das einzige hochrangige CSU-Mitglied, das den Parteichef kritisiert. Auch der ehemalige Verkehrsminister Peter Ramsauer hatte am vergangenen Montag im CSU-Vorstand Seehofer zusammen mit Kanzlerin Angela Merkel und CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt für die sinkende Zustimmung verantwortlich gemacht. Wählerinnen und Wähler, die sich von der CSU abgewandt hätten, würden als Begründung immer "die Namen von drei Politikern aus Berlin" nennen, sagte Ramsauer.

Am Montag hatte Seehofer eine Sitzung des Parteivorstands in München vorzeitig verlassen, um zur Sitzung des Koalitionsausschusses nach Berlin zu reisen. Die vorzeitige Abreise des Parteichefs mitten im Wahlkampf sorgte für weiteren Unmut in der Partei. Landtagspräsidentin Barbara Stamm sagte laut der Süddeutschen Zeitung, sie sei "fassungslos", dass der Parteichef 14 Tage vor der entscheidenden Wahl nicht bis zum Ende anwesend sei. Sie habe noch nie erlebt, dass es einem im Landtagswahlkampf so schwer gemacht werde wie jetzt.

Seehofer hatte Rücktritt selbst ins Gespräch gebracht

Im Asylstreit der Union hatte Seehofer im Sommer selbst einen Rücktritt ins Spiel gebracht. Sollte die Führung der CDU den Christsozialen nicht entgegenkommen, werde er von seinen politischen Ämtern zurücktreten, sagte Seehofer Anfang Juli. Nachdem sich die große Koalition auf den Asylkompromiss einigen konnte, zog er sein Rücktrittsangebot zurück. Seitdem ist das Verhältnis zwischen ihm und Söder wechselhaft.

Im am Freitag veröffentlichten ZDF-Politbarometer erreichte die CSU 35 Prozent, im ARD-BayernTrend kamen die Christsozialen lediglich auf 33 Prozent. Bei der vergangenen Landtagswahl im Jahr 2013 kam die CSU noch auf 47,7 Prozent und konnte damit die absolute Mehrheit erringen.