Im neuen ARD-Deutschlandtrend erzielt die große Koalition im Bund so schlechte Werte wie nie zuvor in der von Infratest dimap erstellten Umfrage. Und auch eine repräsentative Erhebung des Meinungsforschungsinstituts GMS zeigt: Das Regierungsbündnis hat keine Mehrheit.

Bei der ARD-Umfrage verliert die Union gegenüber dem Vormonat drei Prozentpunkte und sinkt auf 26 Prozent. Die SPD büßt ebenfalls drei Punkte ein und kommt auf 15 Prozent. Sie fällt damit hinter die AfD, die unverändert 16 Prozent erhielte, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre. Zweitstärkste Kraft sind in der Umfrage die Grünen mit 17 Prozent (plus drei Punkte). Die FDP erreicht zehn Prozent (plus zwei), die Linkspartei verharrt bei ebenfalls zehn Prozent.

Auch in der GMS-Umfrage käme die SPD als viertstärkste Kraft nur noch auf 15 Prozent der Stimmen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre. Im Vergleich zur letzten Erhebung des Instituts verlieren die Sozialdemokraten einen Prozentpunkt.

Union und AfD halten ihre Werte aus der vorhergehenden GMS-Umfrage. Die Union kommt den Zahlen zufolge auf 27 Prozent. Die AfD erreicht 18 Prozent und liegt damit ein weiteres Mal in diesem Sommer in einer Umfrage vor der SPD. Die Grünen legen demnach in der Wählergunst zu und kommen auf 16 Prozent. FDP und Linke erreichen jeweils zehn Prozent. Die sonstigen Parteien kommen auf vier Prozent.

Laut den Zahlen entfernt sich die große Koalition weiter von einer absoluten Mehrheit im Bundestag. Die Parteien von Union und SPD kommen zusammen nur noch auf einen Stimmenanteil von 41 (ARD) beziehungsweise 42 Prozent (GMS).

Das Meinungsforschungsinstitut GMS befragte für die Umfrage zwischen dem 04. und 10. Oktober 1.007 Menschen, Infratest dimap vom 8. bis 10. Oktober 1.508 repräsentativ ausgewählte Bundesbürgerinnen und -bürger.

Auch in einzelnen Politikfeldern unzufrieden

Die niedrigen Umfragewerte der Regierungsparteien spiegeln auch die deutlich geringere Zufriedenheit der Bundesbürger mit der Arbeit der großen Koalition wider. Das belegen weitere Zahlen aus dem ARD-Deutschlandtrend. Drei Viertel (76 Prozent) der Befragten sind weniger beziehungsweise gar nicht zufrieden, das sind acht Punkte mehr als im Vergleich zum Vormonat. Dagegen sind 24 Prozent (minus sieben) zufrieden oder sogar sehr zufrieden mit der Arbeit der Regierung.

Die Befragten ziehen laut dem Deutschlandtrend auch bei einzelnen Politikfeldern mehrheitlich eine negative Bilanz. 82 Prozent sind beim Thema Diesel weniger oder gar nicht zufrieden mit dem, was die Bundesregierung geleistet hat. Mit den Anstrengungen bei der Beschaffung bezahlbaren Wohnraums sind 78 Prozent, mit der Klimapolitik 73 Prozent unzufrieden. Eine erkennbare Veränderung im Vergleich zum August zeigt sich bei der Asyl- und Flüchtlingspolitik. Hier sind noch 68 Prozent unzufrieden, aber inzwischen 31 Prozent zufrieden – ein Plus von neun Punkten. Immerhin: Eine Mehrheit von 59 Prozent ist mit der Wirtschaftspolitik des Kabinetts zufrieden.

Über die Unsicherheiten von Umfragen

Repräsentative Umfragen unterliegen immer Fehlern. Man kann davon ausgehen, dass der tatsächliche Wert mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Bereich von einem bis drei Prozentpunkten über oder unter den letztlich angegebenen Messwerten liegt. Den Korridor dieses statistischen Fehlers zeigen wir ab sofort in unseren Grafiken zu Wahlumfragen.

Die Ergebnisse basieren immer auf Stichprobenbefragungen. Diese decken in der Regel nur spezielle Teile der Bevölkerung ab (zum Beispiel Menschen mit Festnetz-Telefonanschluss oder Internetnutzer). Einige potenzielle Teilnehmer sind ablehnend und wollen erst gar nicht befragt werden. Fragen werden mitunter auch falsch verstanden und nicht immer aufrichtig beantwortet. Zum Beispiel auch in Reaktion auf vorangegangene Umfragen. Um jedoch ein allgemeines Meinungsbild über alle Bevölkerungsgruppen hinweg zu berechnen, müssen die Demoskopen fehlende Messwerte und vermutete Ungenauigkeiten ausgleichen und die vorliegenden Zahlen neu gewichten. Diese (in der Regel nicht transparenten) Formeln unterscheiden sich in den Instituten und führen daher zu unterschiedlichen Aussagen.

Umfragewerte sind immer Momentaufnahmen. Mehr als eine grobe Tendenz für ein Meinungsbild lässt sich daraus nicht ableiten. Selbst wenn die Aussagen und Berechnungen zum Veröffentlichungszeitpunkt der Umfrage nahe an der Realität liegen, ist immer noch offen, ob die damals befragten Wähler zum Beispiel später tatsächlich ihre Stimme abgeben oder sich kurzfristig umentscheiden.

Weitere Hintergründe über unseren Umgang mit Wahlumfragen finden Sie in unserem Transparenzblog Glashaus.