Der Freiburger Oberbürgermeister Martin Horn hat seine Twitter- und Instagramkonten deaktiviert. Er habe dort unter anderem Morddrohungen und Beleidigungen erhalten, sagte eine Sprecherin. Die Masse an Nachrichten sei nicht mehr zu bewältigen gewesen. Der Bürgermeister sei aber weiter über Facebook erreichbar. Er wolle damit zeigen, dass er sich nicht wegducke. Horn gehört keiner Partei an.

Hintergrund für die Anfeindungen dürften Aussagen Horns zu einer mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung in der Stadt sein. In der Nacht zum 14. Oktober soll eine junge Frau nach einem Discobesuch von mehreren Männern vergewaltigt worden sein. Acht Männer sitzen deshalb gerade in Untersuchungshaft – sieben Syrer und ein Deutscher. Horn hatte nach der Tat gesagt, Straftaten wie diese dürften nicht dazu dienen, Flüchtlinge pauschal zu verurteilen. Die Mehrheit der in Deutschland lebenden Migranten verhalte sich gesetzestreu.

Am Montag war bekannt geworden, dass gegen einen der mutmaßlichen Täter bereits seit dem 10. Oktober ein Haftbefehl vorgelegen hatte, der jedoch laut der Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sofort vollzogen worden sei. Die Opposition im baden-württembergischen Landtag verlangt deshalb vom Innenminister Baden-Württembergs, Thomas Strobl (CDU), Aufklärung darüber, warum der Haftbefehl nicht vollstreckt wurde. SPD-Vize-Landtagsfraktionschef Sascha Binder sagte: "Die Bevölkerung hat ein Recht darauf, zu erfahren, aus welchen Gründen der Haftbefehl tatsächlich nicht vollstreckt wurde."

Haftbefehl nicht vollstreckt, weil andere Maßnahmen geplant wurden

Das baden-württembergische Innenministerium teilte daraufhin mit, der Haftbefehl sei aus zwei Gründen nicht vollstreckt worden: Erstens sei nicht gesichert gewesen, wo sich der Tatverdächtige aufhielt. Zweitens sei das Fahndungsdezernat intern beauftragt worden, noch andere strafprozessuale Maßnahmen zu ergreifen – in diesem Fall war es eine Hausdurchsuchung, teilte eine Sprecherin der Polizei Freiburg auf Nachfrage von ZEIT ONLINE mit. Da die Festnahme und die Hausdurchsuchung geplant und koordiniert werden mussten, habe man den Haftbefehl nicht sofort vollstreckt.

Am Montagabend hatte die AfD in Freiburg zu einer Versammlung aufgerufen, zu der rund 300 bis 500 Menschen gekommen waren. An einer Gegendemonstration, die vor einer politischen Instrumentalisierung des Verbrechens warnte, hatten nach Polizeiangaben 1.500 Menschen teilgenommen.