Bei der Landtagswahl in Hessen ist die CDU trotz großer Verluste mit 27,0 Prozent der Stimmen stärkste Kraft. Das steht nach Auswertung der amtlichen Endergebnisse fest. Die SPD fiel auf 19,8 Prozent ab und liegt damit auf gleicher Höhe mit den Grünen, die sich auf ebenfalls 19,8 Prozent steigerten. Die AfD zog mit 13,1 Prozent erstmals in den hessischen Landtag ein und ist damit in allen 16 Landesparlamenten vertreten. Die FDP kam auf 7,5 Prozent, die Linke auf 6,3 Prozent. Damit bekommt Hessen erstmals ein Sechsparteienparlament. 

Der hessische Landtag wird künftig wegen zahlreicher Überhang- und Ausgleichsmandate 137 Abgeordnete haben, bisher waren es 110. Die CDU hat künftig 40 Sitze, der bisherige Koalitionspartner Grüne und die SPD jeweils 29 Sitze. Die AfD erreicht 19 Sitze, die FDP elf, die Linke neun.

Für eine Mehrheit sind 69 Sitze im Landtag nötig. Damit ist neben Schwarz-Grün rechnerisch auch ein schwarz-rotes Bündnis möglich, was politisch allerdings als unwahrscheinlich gilt. Ein Jamaika-Bündnis aus CDU, Grünen und FDP ist auch möglich, genauso wie eine von den Grünen geführte Ampel-Koalition.

Die Wahlbeteiligung lag bei 67,3 Prozent – 2013 waren es 73,2 Prozent gewesen, damals fielen allerdings Bundestags- und Landtagswahl auf einen Tag. Wahlberechtigt waren 4,38 Millionen Bürger.

Beratungen über weiteres Vorgehen

Die Spitzengremien der CDU kommen unter Leitung von Parteichefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag in Berlin zusammen. Am Mittag tritt Merkel vor die Medien. In Hofheim trifft sich die hessische CDU am frühen Abend zu einem kleinen Parteitag, um über den Ausgang der Wahl zu beraten. 

Ministerpräsident Volker Bouffier kündigte Gespräche mit allen Parteien außer Linken und AfD über eine Regierung an. Er hatte sich zuletzt offen für Jamaika gezeigt, die Grünen waren zurückhaltender, die Liberalen warben offen dafür. Grüne und FDP in Hessen haben allerdings unter anderem in der Energiepolitik und im Ökolandbau Differenzen. FDP-Chef Christian Lindner hatte ein Bündnis seiner Partei mit Grünen und SPD als "inhaltlich vollkommen abwegig" bezeichnet. 

Schäfer-Gümbel, der zum dritten Mal Spitzenkandidat seiner SPD war, räumte eine bittere Niederlage ein und ließ seine politische Zukunft zunächst offen. Das Ergebnis führte er stark auf den Bundestrend zurück. Man habe "nicht nur keinen Rückenwind aus Berlin erhalten, sondern wir hatten regelmäßig Sturmböen im Gesicht". Der Wahlkampf in Hessen wurde belastet durch Streitigkeiten der Berliner Koalition über die Migrationspolitik sowie die schwelende Diesel-Krise. 

Die Parteien haben keinen Zeitdruck, um ein Regierungsbündnis zu schließen. Die Wahlperiode des bisherigen Landtags endet erst am 17. Januar 2019, einen Tag später tritt laut Landesverfassung der neue Landtag zu seiner ersten Sitzung zusammen. Üblicherweise wählen die Abgeordneten dann den Ministerpräsidenten. Können sie das wegen fehlender Mehrheiten nicht, führt die bisherige Landesregierung "die laufenden Geschäfte" weiter, wie die Verfassung bestimmt. Die Regierung wäre damit nur noch geschäftsführend im Amt.

Druck auf Bundesebene

Auf Bundesebene geraten die Parteichefinnen von CDU und SPD, Kanzlerin Angela Merkel und Andrea Nahles, nach der zweiten Wahlniederlage binnen zwei Wochen nun noch stärker unter Druck. In beiden Parteien rumort es. Am kommenden Wochenende wollen die Spitzen von CDU und SPD über Konsequenzen aus den Abstimmungen in Bayern und Hessen diskutieren. Auf Vorschlag von Nahles wollen die Sozialdemokraten bereits an diesem Montag in Präsidium und Vorstand über einen Kriterienkatalog beraten, wie die Regierung künftig besser arbeiten kann und wann für die SPD eine rote Linie erreicht ist. 

Forscher machten für den Einbruch von CDU und SPD sowohl landes- als auch bundespolitische Gründe verantwortlich. Laut einer Analyse der Forschungsgruppe Wahlen konnten die Parteien vor Ort nur bedingt mit politischen Leistungen, Spitzenpersonal oder Sachkompetenz überzeugen. Hinzu sei eine starke Konkurrenz durch die Grünen gekommen, für die sich zahlreiche Wähler kurzfristig entschieden hätten. Laut Infratest dimap verlor die CDU besonders an den bisherigen Grünen-Koalitionspartner viele Stimmen.  

  • Stimm­verteilung
  • Gewinne und Verluste
  • Koalitions­rechner
  • Wahlkreise