Die AfD-Führung hat einen zweiten Versuch unternommen, den baden-württembergischen Landtagsabgeordneten Wolfgang Gedeon aus der Partei auszuschließen. Grund ist einerseits seine Äußerung über die am 7. Oktober gegründete Vereinigung Juden in der AfD, in der sich jüdische AfD-Mitglieder organisieren können. Hinzu kommt nach Informationen von ZEIT ONLINE ein neu erschienenes Buch Gedeons. In Ich, die AfD und der Antisemitismus: Populismus oder Mut zur Wahrheit behandele Gedeon auf fast 30 Seiten Thesen über eine "zionistische Verschwörung", wie AfD-Bundeschef Jörg Meuthen ZEIT ONLINE sagte. Gedeon müsse die Partei verlassen. "Ich sehne den Tag herbei, da der Mann nicht mehr zur AfD gehört." Am Morgen beschloss der Bundesvorstand einstimmig in einer Telefonkonferenz, ein erneutes Ausschlussverfahren einzuleiten. 

Gedeon wies Meuthens Argumentation auf Nachfrage zurück: "Das ist Geschwätz", sagte er ZEIT ONLINE. "Der Bundesvorstand möchte die Diskussion auf Schlagwortebene zurückführen." Im Hinblick auf die Chance des nun anstehenden Ausschlussverfahrens ergänzte er, Meuthen und der Bundesvorstand sollten das Buch erst einmal lesen. "Auf der inhaltlichen Ebene der Auseinandersetzung haben sie keine Chance."

Gedeon hatte die Gründung der jüdischen AfD-Gruppe als "strategischen Fehler" bezeichnet und gesagt, im günstigsten Fall "ist diese Gründung überflüssig wie ein Kropf". Weiter sagte er, "im ungünstigsten Fall" handele es sich "um eine zionistische Lobbyorganisation, die den Interessen Deutschlands und der Deutschen zuwiderläuft". Bundesvorstandsmitglied Alice Weidel erwiderte daraufhin, es sei "an der Zeit, dass Gedeon aus der Partei fliegt". 

Gedeon gilt als Antisemit

Der Bundesvorstand muss nun einen Ausschlussantrag formulieren und ihn dem zuständigen Schiedsgericht zusenden. Die AfD startet damit den zweiten Versuch, Gedeon auszuschließen. Ein erster Antrag des Landesverbands Baden-Württemberg scheiterte aus formalen Gründen. Ein Parteischiedsgericht stellte das Ausschlussverfahren im Dezember 2017 aus Mangel an Beweisen ein. Gedeon blieb als Abgeordneter im Landtag, wurde aber aus der Fraktion ausgeschlossen. Er sitzt dort als Einzelabgeordneter. Die Fraktion hatte sich vorübergehend gespalten, weil Meuthen auf dem Ausschluss Gedeons bestand. Gedeons Unterstützer gründeten eine eigene Fraktion, die sich aber später wieder mit der ursprünglichen zusammenschloss. Gedeon hat aber in der AfD-Fraktion bis heute Unterstützer. 

Nicht nur parteiintern gilt Gedeon als Antisemit. Er darf zudem als Holocaustleugner bezeichnet werden. Das hatte das Landgericht Berlin Anfang 2018 entschieden und damit dem Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, recht gegeben.

Der Ausschluss von Mitgliedern wegen des Vorwurfs parteischädlicher Äußerungen endet oft erfolglos. Bekanntestes Beispiel ist das Verfahren gegen den Thüringer Nationalisten Björn Höcke. Das Landesschiedsgericht Thüringen sah trotz zahlreicher Anhaltspunkte einen Schaden für die Partei nicht als erwiesen an. Auch ein Verfahren gegen Höckes sächsischen Parteifreund Jens Maier scheiterte, der in einer Rede im Januar 2017 unter anderem gesagt hatte, die NPD sei deshalb gewählt worden, "weil dies die einzige Partei war, die immer entschlossen zu Deutschland gestanden hat".  Auch das SPD-Mitglied Thilo Sarazzin wendete trotz seiner umstrittenen Thesen zum Thema Migration ein Parteiausschlussverfahren ab. Der wegen des Besitzes von Kinderpornografie angeklagte Sebastian Edathy überstand ein SPD-Ausschlussverfahren knapp.