Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat mehr Investitionen in die Digitalisierung gefordert, um bei künstlicher Intelligenz an der Spitze zu stehen. "Deutschland und Europa müssen in Zukunft führender Standort für künstliche Intelligenz sein", sagte Merkel dem Internetportal t-online.de vor Beginn einer zweitägigen Digitalklausur des Bundeskabinetts, bei der eine Strategie zum Thema künstliche Intelligenz beschlossen werden soll. Von einer solchen Strategie hänge der Kanzlerin zufolge "unser künftiger Wohlstand ab und die Frage, ob und wie wir unsere europäischen Werte von der Würde jedes einzelnen Menschen und dem Schutz der Privatsphäre auch im digitalen Zeitalter verteidigen können".

Bereits jetzt sei Deutschland bei der Forschung zur künstlichen Intelligenz international in der Spitzengruppe. "Wir müssen sowohl konsequent in die Forschung investieren als auch besser in der Anwendung werden", sagte Merkel. Die Umsetzung digitaler Projekte in Deutschland müsse beschleunigt werden. Die politischen Prozesse auch in der Verwaltung müssten schneller werden. "Die öffentliche Verwaltung wird in den kommenden Jahren viel lernen müssen."

Gleichzeitig sprach sich Merkel dafür aus, für die Digitalisierung Hilfe von Außen in Form von Beraterinnen und Beratern hinzuziehen. "Die finden wir nicht in unserer Verwaltung", sagte Merkel bei einem sogenannten "Wirtschaftsgipfel" der Süddeutschen Zeitung. Zudem sei es die Aufgabe von Politik, Vertrauen in einer neuen Zeit zu schaffen. In der Finanz- und Eurokrise sowie der Migrationspolitik aber sei viel Vertrauen verloren gegangen. Die Menschen spürten, "da tut sich was Gewaltiges" und wollten "Sicherheit in der Disruption".

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) fordert angesichts rasanter Veränderungen der Arbeitswelt durch Digitalisierung mehr Weiterbildung. "Es geht darum, Arbeitslosigkeit im digitalen Wandel zu vermeiden, bevor sie entsteht", sagte der SPD-Politiker der Rheinischen Post. Laut dem Fachkräftemonitor seines Ministeriums würden bis 2025 rund 1,6 Millionen Jobs wegfallen, gleichzeitig entstünden aber mehr als 2,3 Millionen neue Arbeitsplätze. "Die Arbeit wird uns also nicht ausgehen, es wird aber andere Arbeit sein." Die entscheidenden Stellschrauben seien Qualifizierung und Weiterbildung.