Die Bundesregierung will den Facharbeitermangel mit einer besser bezahlten Berufsausbildung bekämpfen und wird deshalb eine Mindestausbildungsvergütung einführen. Das sagte Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) laut Redemanuskript bei einer Veranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbundes, das ZEIT ONLINE vorliegt. Im ersten Lehrjahr solle den Auszubildenden (Azubis) 504 Euro pro Monat zustehen, kündigte die CDU-Politikerin an. Im zweiten Jahr solle die Mindestvergütung um fünf Prozent steigen, im dritten um zehn und im vierten um 15 Prozent.  

Außerdem will die Ministerin Ausbildungsabschlüsse begrifflich näher an Universitätsabschlüsse heranrücken. Statt diversen Bezeichnungen in der Berufsausbildung – wie beispielsweise Facharbeiter, Fachkraft oder Fachberater – sollen Karliczeks Plänen zufolge drei Fortbildungsstufen eingeführt werden: Berufsspezialist, Berufsbachelor und Berufsmaster. Damit werde der Berufsbezug deutlich, gleichzeitig stellten die Begriffe die "Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung" heraus, sagte Karliczek.

Immer noch glaubten zu viele Eltern und Jugendliche, eine akademische Ausbildung sei besser als eine Berufsausbildung. "Wir brauchen deshalb ein neues Bewusstsein für die exzellenten Perspektiven, die in der beruflichen Bildung stecken", sagte die Ministerin.

Sind Karliczeks Vorschläge eine "Mogelpackung"?

Der Gewerkschaftsbund DGB hält die von Karliczek angepeilte Mindestausbildungsvergütung von gut 500 Euro für zu wenig. Der Vorschlag der Bildungsministerin sei eine "Mogelpackung", die verkenne, dass Azubis zum Gewinn der Unternehmen beitrügen, sagte die DGB-Vizevorsitzende Elke Hannack. Schon heute lägen nahezu sämtliche Vergütungen für Azubis weit oberhalb der 504 Euro. "Da muss noch eine kräftige Schippe drauf", forderte sie.

Auch die SPD lehnte die Pläne Karliczeks ab. Die Vorschläge der Ministerin kämen "nach Monaten der Untätigkeit" und seien "nicht nachvollziehbar und unabgestimmt", sagte die Sprecherin für Berufsausbildung der SPD-Fraktion, Yasmin Fahimi, dem Handelsblatt. So werde Karliczek den berechtigten Ansprüchen der Auszubildenden, für ihre Leistung eine angemessene Vergütung zu erhalten, nur unzureichend gerecht.

Im Koalitionsvertrag haben CDU, CSU und SPD unter anderem vereinbart, eine Mindest-Ausbildungsvergütung einzuführen. Das Gesetz soll bis zum 1. August 2019 beschlossen werden und Anfang 2020 in Kraft treten.