Am 16. November will Kanzlerin Angela Merkel Chemnitz besuchen. Aus Sicht der Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) kommt der Besuch nach den Ausschreitungen im August viel zu spät. Das werde die Stadt erneut aufwühlen, sagte Ludwig im Mitteldeutschen Rundfunk (MDR). "Das wird sicher wieder ein schwieriger Tag für Chemnitz."

Ludwig hatte die Bundeskanzlerin bereits Anfang September eingeladen. Doch aus terminlichen Gründen konnte erst ein Termin für Mitte November vereinbart werden. Bei ihrem Besuch will sich Merkel unter anderem den Fragen von Leserinnen und Lesern der Tageszeitung Freie Presse stellen. Weitere Programmpunkte sind noch nicht bekannt.

Ludwig kritisierte zudem Merkels Kommunikation während der Flüchtlingskrise. Die Bundeskanzlerin habe ihre Entscheidungen zur Migration 2015 nie richtig erklärt, sagte Ludwig. "Das spürt man heute noch, wenn es um das Thema Sicherheit geht." Die Proteste in Chemnitz hätten sich daher unter anderem gegen Merkels politische Entscheidungen gerichtet. Auch deshalb bedauere sie ihr langes Fernbleiben.

Frank-Walter Steinmeier in Chemnitz

Am Donnerstag hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Chemnitz unter anderem mit Bürgern gesprochen. Er warb für einen Dialog ohne Hass und Gewalt. Von Hetzern und Verfassungsfeinden müsse sich jeder abgrenzen, forderte Steinmeier.

In Chemnitz war es im Spätsommer zu Protesten und rechtsextremen Ausschreitungen gekommen, nachdem ein 35-Jähriger mutmaßlich von Asylbewerbern erstochen wurde. Die Ereignisse hatten auch international Aufsehen erregt.

Chemnitz - So erlebten Reporter die Ausschreitungen Die Polizei ist gegen die rund 5.000 rechten Demonstranten nicht angekommen. Das zeigen Aufnahmen von Reportern, die mit Helm und Sicherheitspersonal unterwegs waren. © Foto: Thomas Victor