Aus Sorge vor einer Beobachtung durch den Verfassungsschutz hat die AfD nach eigenen Angaben in den vergangenen Wochen mehrere Mitglieder dazu bewegt, die Partei zu verlassen. Parteichef Jörg Meuthen sagte, idealerweise gelinge es, Mitglieder, die sich gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung stellten, dazu zu bringen, die AfD aus freien Stücken zu verlassen. Das sei in den vergangenen Wochen in einigen Fällen gelungen.

Wo dies nicht möglich sei, müsse man ein Parteiausschlussverfahren anstrengen, sagte Meuthen. Die AfD werde sich aber durch eine möglicherweise drohende Beobachtung durch den Verfassungsschutz nicht in eine "Welle von Ausschlussverfahren" hineindrängen lassen. In der Summe sei fehlende Gesetzestreue kein Problem der AfD, sondern "bei den Altparteien zu suchen". 

Die AfD habe inzwischen die rechte Bürgerbewegung Pro Chemnitz auf ihre "Unvereinbarkeitsliste" gesetzt, teilte der AfD-Bundestagsabgeordnete Roland Hartwig mit. Hartwig leitet eine vom AfD-Bundesvorstand eingesetzte "Arbeitsgruppe Verfassungsschutz".  

Wer einer Organisation angehört, die auf dieser Liste steht, darf offiziell nicht Mitglied der AfD werden. Auf der Liste steht beispielsweise die NPD. Angehörige von Pro Chemnitz hatten sich im September in Chemnitz einer Kundgebung angeschlossen, die von den AfD-Landesverbänden Sachsen, Brandenburg und Thüringen organisiert worden war. Der Chef von Pro Chemnitz, Martin Kohlmann, wird Medienberichten zufolge vom sächsischen Landesamt für Verfassungsschutz als Teil der rechtsextremistischen Szene beobachtet.

Gauland will mit Höcke über umstrittene Äußerung reden

Thüringens AfD-Chef Björn Höcke hatte seine Partei vor Panik angesichts einer möglichen Beobachtung durch den Verfassungsschutz gewarnt. Eine solche Angst bezeichnete Höcke, der Wortführer des ultrarechten Parteiflügels ist, auf einem Landesparteitag am Wochenende als "politische Bettnässerei". Bei dem Treffen war er als Landeschef bestätigt worden.

Diese Wortwahl kritisierte der Co-Vorsitzende der Bundespartei, Alexander Gauland. Er sagte, er wolle mit Höcke darüber sprechen. Einen Anlass für ein Parteiausschlussverfahren sieht Gauland, der Höcke früher einmal als "Nationalromantiker" bezeichnet hatte, in dieser Äußerung aber nicht: "Das sehe ich nicht als parteischädigend an, ich sehe es nur als falsch an."

Verunsicherung durch Ausschlussverfahren?

Nicht bewerten wollte Gauland den sogenannten Stuttgarter Aufruf, den einige AfD-Mitglieder in der vergangenen Woche lanciert hatten. Darin ist die Rede von einer Verunsicherung der Mitglieder durch zahlreiche Ordnungs- und Ausschlussverfahren. In dem Aufruf heißt es außerdem: "Wir widersetzen uns allen Denk- und Sprechverboten innerhalb der Partei". Der aus Baden-Württemberg stammende AfD-Bundestagsabgeordnete Markus Frohnmaier sagte: "Nur wenige Mandatsträger haben sich diesem Aufruf angeschlossen, und das ist gut so."

Die AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative (JA) hatte am Sonntag ihren Landesverband Niedersachsen aufgelöst. Der frühere JA-Landeschef Lars Steinke war im August abgesetzt worden, weil er den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg in einem nicht öffentlich einsehbaren Facebook-Eintrag als Verräter bezeichnet hatte.