Annegret Kramp-Karrenbauer – Merkels heimliche Lieblingserbin

Dafür, dass die Generalsekretärin schon länger als Wunschnachfolgerin der Kanzlerin galt, wirkte sie beim Start ihrer Kandidatur ziemlich überrumpelt. Hatte sie noch am Abend der hessischen Landtagswahl Merkels Verbleib an der CDU-Spitze verteidigt, musste sie wenige Stunden später improvisieren: Merkel informierte auch sie erst kurz vor der Präsidiumssitzung, auf der sie ihren Abschied bekannt geben sollte. Weil da bereits von Merz' Comebackplänen zu hören war, war Kramp-Karrenbauer nun unter Zugzwang. Eilig erklärte sie in dieser Sitzung ihr Interesse.

Mit ihrem ersten großen öffentlichen Auftritt ließ sie sich danach hingegen Zeit. Eine Woche nach Merz trat sie vor die Presse, um ihre Kandidatur zu begründen. Dabei distanzierte sie sich sanft von ihrer Förderin Merkel und kündigte an, eine eigene "Ära" prägen zu wollen. Sie betonte, dass sie als Wahlkämpferin und Regierungschefin bereits einige Erfolge vorzuweisen habe: Eine kleine Spitze gegen ihre beiden männlichen Mitbewerber, die weder einer Landespartei noch einer Regierung je vorstanden. 

Allerdings: Das war es auch schon, was Kramp-Karrenbauer an Provokationen von sich gab. Zurückhaltung scheint ihre Strategie zu sein. Bisher gab sie kaum Interviews. Sie scheint eher – darin Merkel nicht unähnlich – auf Fehler ihrer Mitbewerber zu warten.

Wofür steht sie?

Selbst bezeichnet sich Kramp-Karrenbauer als "moderne Konservative". Sozialpolitisch gehört sie eher zum linken Flügel, gesellschaftspolitisch eher zum rechten. So war sie früh für den Mindestlohn, äußerte sich aber skeptisch zur Ehe für alle und stellte die doppelte Staatsbürgerschaft für in Deutschland lebende Türkinnen und Türken infrage. In der Flüchtlingspolitik stützte sie Merkels Linie bisher. Generell stünde Kramp-Karrenbauer für einen moderaten Kurs. Die Union sei "keine Entweder-oder-Partei", betont sie.

Dennoch stellt sie auch größere Veränderungen unter ihrer Ägide in Aussicht, ohne allerdings bislang allzu konkret zu werden. So kündigte sie "in absehbarer Zeit" eine "große Steuerreform" an. Auffällig ist auch ihre außenpolitische Schwerpunktsetzung. Kramp-Karrenbauer zeigt sich als überzeugte Multilateralistin. Sie will die EU stärken und den Populisten und Antidemokraten dieser Welt entgegentreten. Deutschland solle weiterhin nicht nur Güter ins Ausland exportieren, "sondern auch Menschenrechte und die Emanzipation von Frauen".

Wer unterstützt sie?

Kramp-Karrenbauer ist nicht nur die Favoritin der Kanzlerin (die das öffentlich allerdings nicht sagt), sondern vermutlich auch die der meisten aktuellen Spitzenpolitiker der Union. Vielen ist Merz zu suspekt. Seine lange Abwesenheit von der Politik sehen sie als Nachteil. Hinzu kommt, dass sie ihn als Fraktionschef nicht in bester Erinnerung haben.
Und da Spahn als zu jung und ehrgeizig gilt, ist Kramp-Karrenbauer die Favoritin des Parteiestablishments. Allerdings ist das eher eine Unterstützung zwischen den Zeilen. In die Offensive ist keiner ihrer mächtigen Unterstützer bisher gegangen. Sie üben sich in ähnlicher Zurückhaltung wie die Kandidatin selbst.

Immerhin: Die Frauen Union unterstützt Kramp-Karrenbauer offen. Außerdem einige frühere Spitzenpolitiker wie Kurt Biedenkopf oder Norbert Blüm.

In der jüngsten Emnid-Umfrage lag sie unter den Befragten knapp vor Merz an erster Stelle, in der Vorwoche hatte Merz noch vorn gelegen.  

Der Slogan

Merkels Ära "kann man nicht beliebig fortsetzen – man kann sie auch nicht rückgängig machen".