Die Kandidatinnen und Kandidaten für die Nachfolge Angela Merkels als CDU-Vorsitzende sollen sich nach Plänen führender Mitglieder der Parteibasis präsentieren, bevor dann Anfang Dezember der Parteitag in Hamburg stattfinden wird. Dafür sollen mehrere Regionalkonferenzen abgehalten werden, sagten die stellvertretenden CDU-Vorsitzenden Julia Klöckner und Armin Laschet am Nachmittag in Berlin. Zuvor hatte Klöckner getwittert, die Idee solcher Regionalkonferenzen sei belebend für die Partei. Zugleich erklärte sie, den Prozess um die Merkel-Nachfolge nicht beeinflussen zu wollen. "Ich werde mich hüten, diesen Prozess abzuwürgen, indem ich wage, von oben herab zu sagen, wer der richtige Kandidat ist", sagte Klöckner.

Am Nachmittag kamen Vertreterinnen und Vertreter der CDU-Spitze in Berlin zu einer zweitägigen Klausur zusammen, um das Vorgehen rund um die Merkel-Nachfolge zu beraten. Mehrere Einzeltermine für die insgesamt neun oder zehn Regionalkonferenzen in allen CDU-Landesverbänden seien angesichts der verbleibenden fünf Wochen bis zum Delegiertentreffen unrealistisch, hieß es. Daher sollen die Termine offenbar gebündelt werden. Nach den bisherigen Überlegungen sollen alle Parteimitglieder zu den Regionalkonferenzen eingeladen werden.

Insgesamt zwölf Bewerberinnen

Merkel hatte am Montag angekündigt, nach mehr als 18 Jahren an der Spitze der CDU nicht mehr für das Amt zu kandidieren. Wie am Sonntag aus Teilnehmerkreisen bekannt wurde, haben seitdem mindestens zwölf Männer und Frauen ihre Kandidatur angekündigt. Reelle Chancen werden bislang nur drei prominenten CDU-Politikern eingeräumt: Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer, Gesundheitsminister Jens Spahn und Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz.

Zudem war bislang die Kandidatur dreier bisher öffentlich weitgehend unbekannter Parteimitglieder bekannt. Dabei handelt es sich um den 61-jährigen Bonner Völkerrechtler Matthias Herdegen, den 26 Jahre alten Berliner Jurastudenten Jan-Philipp Knoop und den hessischen Unternehmer Andreas Ritzenhoff (61). Details zu den sechs weiteren Bewerbern wurden zunächst nicht bekannt.

Kramp-Karrenbauer kündigte nach übereinstimmenden Medienberichten an, bis zum Parteitag aufgrund ihrer Bewerbung einige ihrer Aufgaben als Generalsekretärin abgeben zu wollen. Dazu zählt demnach auch die Organisation des Parteitags selbst. Kramp-Karrenbauer wolle solche Aufgaben ruhen lassen, die ihr einen Vorteil gegenüber ihren Konkurrenten verschaffen könnten, hieß es. Damit wolle sie vermeiden, dass ihr eine Verletzung der Neutralitätspflicht vorgeworfen werde.

Günther warnt vor Schwenk nach rechts

Die beiden stellvertretenden Parteivorsitzenden Thomas Strobl und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Laschet sprachen sich am Rande des Treffens in Berlin für ein faires und transparentes Verfahren aus. Zugleich vermieden beide Festlegungen auf einen bestimmten Kandidaten. Laschet sagte, in seinem Bundesland gebe es Sympathien für alle drei Kandidaten. Der nordrhein-westfälische Landesverband ist besonders einflussreich, da er die meisten Delegierten auf dem Parteitag stellt. Strobl schlug vor, auch interessierte Bürgerinnen und Anhänger in den Prozess einzubeziehen. Für die CDU sei die Kandidatensuche eine "riesige Chance", sagte er.  Die Partei mache derzeit den Eindruck, "als sei sie praktisch wachgeküsst worden".

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther warnte derweil davor, die Partei nach rechts rücken zu wollen. "Der Kurs in der Vergangenheit war richtig", sagte er in Berlin. Die CDU sei gut beraten, den eingeschlagenen Kurs fortzusetzen, sagte Günther. "Daran haben sich auch alle Kandidaten für den Bundesvorsitz aus meiner Sicht zu orientieren."

Auch Vereinigungen laden Kandidaten ein

Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa planen auch die sieben Vereinigungen innerhalb der CDU, die aussichtsreichsten Kandidaten für das Amt – Kramp-Karrenbauer, Spahn und Merz – noch vor dem Parteitag zu einer Vorstellungsrunde einzuladen. Wie aus einer gemeinsamen Erklärung der Vorsitzenden der Vereinigungen hervorgeht, wollen sie von der Kandidatin und den beiden Kandidaten erfahren, "wie sie die Vereinigungen politisch, strukturell und organisatorisch einbinden und stärken wollen, um die Zukunft der Volkspartei CDU zu sichern". Zu den Vereinigungen zählen die Junge Union, die Frauen Union, die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft, die Kommunalpolitische Vereinigung, die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung, die Ost- und Mitteldeutsche Vereinigung sowie die Senioren-Union.

Der Vorsitzende der Jungen Union (JU), Paul Ziemiak, sagte bei seinem Eintreffen am Adenauer-Haus in Berlin: "Wir brauchen eine breite Diskussion in der Partei – und das werden wir heute besprechen." Über die geplanten Regionalkonferenzen sagte er: "Wenn sich alle Bewerberinnen und Bewerber den Mitgliedern vorstellen, dann ist das eine gute Idee."

Der Vorsitzende der Senioren-Union, Otto Wulff, sagte: "Wir versuchen, ein gutes Verfahren durchzusetzen." Er würde es begrüßen, "wenn die drei Beteiligten selbst eine Lösung finden würden. Das wäre vielleicht die beste Lösung." Die Kandidaten sollten mitteilen, wie sie sich eine Vorstellungsrunde vorstellten. Denkbar sei, dass die Aspiranten zu dem Vorgehen auch vom Parteivorstand gehört würden.