Im Falle ihrer Wahl zur CDU-Chefin will Annegret Kramp-Karrenbauer die bisherigen Regeln für die doppelte Staatsbürgerschaft überprüfen. "Das Konzept Doppelpass kann nur funktionieren, wenn es nicht dazu dient, Integration zu verhindern", sagte Kramp-Karrenbauer dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel.

Laut Kramp-Karrenbauer schüre der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan jedoch Loyalitätskonflikte unter den hier lebenden Deutschtürken, um seine Politik im eigenen Land durchzusetzen. "Wenn das so läuft, dann hat der Doppelpass seinen Sinn und Zweck verfehlt und dann müssen wir auch darüber reden, wie wir dieses System beenden", sagte die CDU-Generalsekretärin.

Kramp-Karrenbauer will einen sogenannten Generationenschnitt einführen. Demnach würden zwar die Kinder von Einwanderern einen Doppelpass erhalten, ihren Enkeln würde er jedoch nicht mehr gewährt werden. "Das Modell könnte eine Grundlage für kommende Koalitionsverhandlungen sein", sagte sie. 2016 hatte ein CDU-Parteitag in Essen verlangt, die doppelte Staatsbürgerschaft abzuschaffen. Bundeskanzlerin Angela Merkel fühlte sich allerdings an diese Forderung der Delegierten nicht gebunden.

Kramp-Karrenbauer konkurriert mit Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz und Gesundheitsminister Jens Spahn auf dem CDU-Parteitag Anfang Dezember um die Nachfolge von CDU-Chefin Merkel. Auf acht Regionalkonferenzen präsentieren sich die Kandidaten, die erste Konferenz fand am Donnerstag in Lübeck statt.

Nach einer Niederlage würde sie Parteiämter aufgeben

Im SWR sagte Kramp-Karrenbauer, sollte sie nicht zur CDU-Vorsitzenden gewählt werden, wolle sie alle Parteiämter niederlegen und nur noch ehrenamtlich tätig sein. Das sei keine Erpressung vor der Wahl, sondern es sei ein Gebot der Fairness, auch "demjenigen, der dann in dieses Amt gewählt wird, die komplette Freiheit zu lassen, sein Team aufzustellen", sagte die frühere Ministerpräsidentin des Saarlandes. "Wenn ich in dem Amt als Generalsekretärin bleibe, ist das immer auch eine Belastung, weil sich an der einen oder anderen Stelle vielleicht dann doch immer wieder Fragen nach Loyalitäten stellen."

Die Gegner von Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Partei lud Kramp-Karrenbauer zu einem Dialog über die künftige Flüchtlingspolitik ein. Sie wolle "im nächsten Jahr diese Fragen unter Einbeziehung der Fachpolitiker – auch der Kritiker – in der Partei erörtern, dabei aber vor allem Vorschläge für die Zukunft erarbeiten". Allerdings brauche die CDU keine Diskussion, was im Herbst 2015 richtig oder falsch gemacht worden sei: "Wenn wir bei dieser rückwärtsgewandten Diskussion bleiben, wird es uns wie der SPD mit Hartz IV gehen."