Die Bundesregierung verschiebt das geplante Verbot der Ferkelkastration ohne Betäubung. Wie die Fraktion der CDU/CSU mitteilte, gab es am Freitag eine Verständigung auf einen Gesetzentwurf, mit dem die Übergangsfrist bis zum vollständigen Verbot um zwei Jahre verlängert wird. Nach bisherigem Stand sollte es von Januar 2019 an verboten sein, Ferkel ohne Betäubung zu kastrieren. Die Koalitionsspitzen hatten sich aber bereits Anfang Oktober auf eine längere Übergangsfrist geeinigt.

Die Grünen-Abgeordnete und frühere Landwirtschaftsministerin Renate Künast kritisierte auf Twitter, die Koalition weiche das Tierschutzgesetz auf. Die große Koalition sei der "Alptraum" der Tiere.

Das geplante Verbot ab 2019 war mit der Reform des Tierschutzgesetzes 2013 beschlossen worden. In Deutschland werden Millionen Ferkel wenige Tage nach der Geburt ohne Betäubung kastriert. Damit soll vermieden werden, dass das Fleisch von Ebern einen strengen Geruch und Beigeschmack bekommt. Tierschützer kritisieren diese Praxis.

Kleine Höfe vor dem Aus?

Der Bauernverband hatte für eine Verschiebung geworben und argumentiert, dass es noch keine praktikablen Alternativverfahren gebe. Er verwies auf die generell schwierige wirtschaftliche Lage vieler Schweinehalter.

Die CDU-Politikerin Gitta Connemann sagte: "Ohne ein Handeln des Gesetzgebers würden gerade die kleinen Höfe ab dem kommenden Jahr vor einem unlösbaren Problem stehen." Es gebe derzeit keine marktgängige oder praktikable Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration, sagte die Vizevorsitzende der CDU/CSU-Fraktion. "Ein Verbot ohne Alternative würde viele Sauenhalter zur Aufgabe zwingen." Die Folge wäre die Abwanderung der Ferkelerzeugung ins Ausland, argumentierte Connemann.

Erforderliche Tierarzneimittel seien noch nicht zugelassen, alternative Verfahren würden bislang von Handel und Verbrauchern nicht akzeptiert. Die zweijährige Übergangsfrist müsse jetzt genutzt werden, um tierschutzgerechte Alternativen für die Praxis zu erarbeiten, sagte Connemann.

Tierschutzbund: Alternativmethoden durchaus verfügbar

Der Deutsche Tierschutzbund widersprach der Darstellung der CDU-Politikerin: "Mit der Ebermast, der Impfung gegen Ebergeruch (Immunokastration) und der Kastration unter Vollnarkose und mit Schmerzmedikation gibt es drei Methoden, die bereits praxistauglich sind", teilte der Verband mit. Das Tierschutzgesetz gelte bisher nicht "für rund 20 Millionen männliche Ferkel, die in Deutschland jährlich betäubungslos kastriert werden". Der Gesetzentwurf sei "Verrat an den Ferkeln und am Staatsziel Tierschutz – die Branche bewegt sich nicht und die Regierungskoalition verlängert daher einfach das Leid der Ferkel".