Der Kandidat für den CDU-Vorsitz Friedrich Merz hat in einem Zeitungsinterview erstmals sein Einkommen offengelegt. "Heute verdiene ich rund eine Million Euro brutto", sagte er der Bild am Sonntag. Merz reagierte auf Kritik an seiner Aussage, wonach er sich zur "gehobenen Mittelschicht" zähle: "Für mich ist die gesellschaftliche Mitte nicht eine rein ökonomische Größe. Ich habe von meinen Eltern die Werte mitbekommen, die die Mittelschicht prägen: darunter Fleiß, Disziplin, Anstand, Respekt und das Wissen, dass man der Gesellschaft etwas zurückgibt, wenn man es sich leisten kann."

Sich als Teil der Oberschicht zu begreifen, lehnte Merz ab: "Wenn ich 'Oberklasse' oder 'Oberschicht' höre, denke ich an Menschen, die viel Geld oder eine Firma geerbt haben und damit ihr Leben genießen. Das ist bei mir nicht der Fall."

Details zu seinen Einnahmen als Aufsichtsrat mehrerer Firmen und Berater der Kanzlei Mayer Brown nannte Merz nicht. Laut Bild am Sonntag geht jedoch aus Geschäftsberichten hervor, dass Merz allein bei dem Vermögensverwalter BlackRock zuletzt mindestens 125.000 Euro pro Jahr verdiente. Hinzu kommen laut der Zeitung 80.000 Euro bei der Wepa Industrieholding, 75.000 Euro bei der Bank HSBC Trinkaus, sowie 14.000 Euro bei der Betreibergesellschaft des Flughafens Köln/Bonn.

"Angefangen habe ich mit einem überschaubaren Einkommen"

Merz betonte im Interview, sich hochgearbeitet zu haben: "Meine Frau und ich waren Studenten, als wir geheiratet und das erste Kind bekommen haben. In dieser Zeit mussten wir jede Mark umdrehen", sagte er. "Angefangen habe ich mit einem für eine Familie mit zwei Kindern überschaubaren Einkommen eines Referendars in Saarbrücken."

Neben Merz bewerben sich unter anderem auch Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und Gesundheitsminister Jens Spahn um die Nachfolge von Angela Merkel an der CDU-Spitze. In einer Emnid-Erhebung im Auftrag der Bild am Sonntag lag Merz unter den befragten Unionsanhängern mit einer Zustimmung von 49 Prozent deutlich vor Kramp-Karrenbauer, die auf 32 Prozent kam. Spahn würden demnach nur sieben Prozent ihre Stimme geben.

In einer Umfrage des ARD-Deutschlandtrends unter CDU-Anhängern hatten sich zuletzt allerdings 46 Prozent für Kramp-Karrenbauer, 31 Prozent für Merz und zwölf Prozent für Spahn ausgesprochen.

Kramp-Karrenbauer kündigte an, im Falle ihrer Niederlage als Generalsekretärin abtreten zu wollen. Sie werde dann nur noch ehrenamtlich für die Partei tätig sein, sagte Kramp-Karrenbauer dem SWR. Dies sei keine Erpressung vor der Wahl, sondern ein Gebot der Fairness gegenüber "eben auch demjenigen, der dann in dieses Amt gewählt wird, die komplette Freiheit zu lassen, sein Team aufzustellen".