Horst Seehofer tritt als CSU-Chef zurück. "Ich werde das Amt des Parteivorsitzenden niederlegen – diese Entscheidung steht fest", sagte er beim Besuch eines Fahndungs- und Kompetenzzentrums der Polizei im sächsischen Bautzen und bestätigte damit entsprechende Medienberichte. Er bestritt aber, dass er auch den Rücktritt von seinem Ministerposten plane. "Ich bin Bundesinnenminister und werde das Amt weiter ausüben. Das Amt des Bundesinnenministers ist von dieser Entscheidung in keiner Weise berührt", sagte Seehofer und kündigte eine Erklärung "im Lauf der Woche" an. Wegen des Zeitplans gelte es, noch einige Gespräche zu führen. Er frage sich: "Macht man es sofort? Macht man es erst in zwei Wochen?"

Zuvor hatten mehrere Agenturen berichtet, Seehofer habe bei Beratungen der engsten Parteispitze am Sonntagabend angekündigt, seine beiden Spitzenämter im kommenden Jahr abzugeben. Ein neuer CSU-Vorsitzender solle auf einem Sonderparteitag Anfang 2019 gewählt werden. Einen konkreten Zeitpunkt für den Rückzug aus der Bundesregierung ließ der 69-Jährige allerdings auch an dem Abend offen.

Immer wieder Rücktrittsforderungen

Damit zieht Seehofer die Konsequenz aus den großen Stimmenverlusten der CSU bei der Landtagswahl Mitte Oktober – Ministerpräsident Markus Söder kann nunmehr nur in einer Koalition mit den Freien Wählern regieren. Vor allem beugt er sich aber dem Druck der eigenen Parteibasis, der schon seit der Bundestagswahl 2017, bei der die Partei ebenfalls Wählerzuspruch verloren hatte, immer stärker geworden war. Vorgeworfen werden ihm ein übermäßig harter Kurs gegenüber der Kanzlerin, die Hauptverantwortung für zwei Regierungskrisen, sein "Rücktritt vom Rücktritt" im Streit über die Flüchtlingspolitik im vergangenen Sommer und der Fall des inzwischen abgelösten Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen. Befeuert und beschleunigt wurde die Debatte schließlich durch die Ankündigung von Kanzlerin Angela Merkel, den CDU-Vorsitz im Dezember abzugeben.

Die Nachrichtenagentur dpa berichtet, in der internen CSU-Sitzung am Sonntagabend hätten sich fast alle CSU-Bezirksvorsitzenden zu Wort gemeldet und von der teils verheerenden Stimmung an der Basis berichtet. "Das war sehr deutlich", sagte ein Teilnehmer. Mit einer solchen Wucht der Wortmeldungen habe Seehofer womöglich nicht gerechnet – auch wenn in den Wochen nach der Landtagswahl sich immer mehr Bezirks- und Kreisverbände, immer mehr Abgeordnete und Landräte von ihm abgewandt hatten. Viele forderten mehr oder weniger direkt den Rücktritt des Parteivorsitzenden und einen Sonderparteitag mit Neuwahlen.

Neuer CSU-Chef wird wohl Söder

In den vergangenen Wochen war deshalb mit einem Rücktritt Seehofers als CSU-Chef gerechnet worden. Beobachterinnen erwarteten jedoch, dass Seehofer zunächst die Bildung einer Regierung in Bayern abwarten würde, wo die CSU nach dem Verlust der absoluten Mehrheit nun auf einen Koalitionspartner angewiesen ist. Der Koalitionsvertrag mit den Freien Wählern ist unterschrieben, Söder als Ministerpräsident wiedergewählt und vereidigt. An diesem Montag soll das Kabinett benannt werden.

Als mit Abstand aussichtsreichster Nachfolgekandidat für den CSU-Vorsitz gilt nun der alte und neue bayerische Regierungschef Söder. Der 51-Jährige würde Seehofer damit schon zum zweiten Mal beerben, nachdem er im März den Posten an der Spitze der Landesregierung von ihm übernommen hatte.