Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sich von seinen Mitbewerbern um den CDU-Vorsitz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz, distanziert. Vom früheren Unionsfraktionschef Merz unterscheide ihn der Umgang mit der Partei, sagte Spahn den Zeitungen des RedaktionsNetzwerks Deutschland. "Ich habe allein in den letzten zwei Jahren über 250 Termine vor Ort gemacht und mit vielen Mitgliedern und Wählern diskutiert. Ich habe mit der Partei in guten und schlechten Zeiten Wahlkampf geführt." Es brauche einen "echten Neustart", sagte Spahn.

Die Wahl des oder der CDU-Vorsitzenden ist am 7. Dezember auf einem Parteitag in Hamburg geplant. An diesem Donnerstag findet in Lübeck die erste von acht Regionalkonferenzen statt, auf denen sich die Kandidatinnen und Kandidaten den Mitgliedern vorstellen. Merkel verzichtet nach 18 Jahren auf eine erneute Kandidatur als CDU-Chefin.

"Angesichts der aktuellen Lage können wir nicht nur auf 'Weiter so' und Kontinuität setzen", sagte Spahn. Viele Mitglieder hätten ein klares Bild, wofür er stehe. Im Hinblick auf den Generationenwechsel biete er "eine Perspektive, die über Jahre hinausgeht".

Spahn will auch bei Niederlage in CDU-Führung bleiben

Annegret Kramp-Karrenbauer warf Spahn eine rückwärtsgewandte Gesellschaftspolitik vor. "Ich habe aus voller Überzeugung für die Öffnung der Ehe gestimmt", sagte der offen schwul lebende und mit seinem Partner verheiratete Spahn. Wenn seine Ehe "in einem Atemzug mit Inzest oder Polygamie genannt wird, trifft mich das persönlich".

Kramp-Karrenbauer hatte 2015 als saarländische Ministerpräsidentin gesagt, es gebe bisher eine klare Definition der Ehe als Gemeinschaft von Mann und Frau. "Wenn wir diese Definition öffnen in eine auf Dauer angelegte Verantwortungspartnerschaft zweier erwachsener Menschen, sind andere Forderungen nicht auszuschließen: etwa eine Heirat unter engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen."

Spahn machte deutlich, dass er sich im Fall einer Niederlage um den Parteivorsitz weiter an führender Stelle in der CDU engagieren will. "Ich kandidiere für die Führung des Teams. Aber ich bleibe auf jeden Fall im Team, weil ich den Erfolg der CDU will", sagte der Gesundheitsminister.