Der Bewerber für den CDU-Vorsitz, Friedrich Merz, hat sich lobend über die Grünen geäußert. Die Grünen von heute seien "sehr bürgerlich, sehr offen, sehr liberal und sicherlich auch partnerfähig", sagte Merz der Bild am Sonntag. Früher habe er ein "extrem kritisches" Verhältnis zu dieser Partei gehabt, räumte er ein. Das scheint nun vorbei zu sein.

Der ehemalige Unionsfraktionsvorsitzende ist schon seit Jahren bekannt mit Cem Özdemir, dem früheren Grünen-Parteichef und jetzigen Vorsitzenden des Verkehrsausschusses im Bundestag. Mit Özdemir teile er inzwischen "in vielen politischen Fragen eine Meinung", sagte Merz. Zu den aktuellen Grünen-Vorsitzenden Robert Habeck und Annalena Baerbock äußerte er sich nicht im Gespräch mit der Zeitung.

Auch in seiner Rede beim Kreisparteitag seines CDU-Heimatverbandes Hochsauerlandkreis in Arnsberg-Oeventrop am Samstag signalisierte Merz indirekt seine Offenheit gegenüber wichtigen programmatischen Zielen der Grünen. Merz benannte dort Umweltschutz, sichere Lebensmittel, Tierschutz und Klimawandel als wichtige Themen, um auch junge Familien in den Städten zu erreichen. Der ehemalige Unionsfraktionschef forderte außerdem, dass die CDU und ihr künftiger Vorsitzender auch weiter "in der Mitte" stehen müssten. Einen Rechtsruck der CDU schloss er aus. 

Merz will nicht als "Anti-Merkel" gelten

Dass er ein "Anti-Merkel" sei oder eine "Abrechnung" mit Merkel wolle, sei "alles dummes Zeug", sagte Merz. Die knapp 500 Delegierten seines Heimatverbandes nominierten ihn geschlossen als Kandidaten für die Nachfolge von Parteichefin Merkel. 

Neben Merz bewerben sich auch die CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und der Gesundheitsminister Jens Spahn für die Position. Die Kandidatinnen und Kandidaten sollen sich der CDU-Basis auf acht Regionalkonferenzen vorstellen, die zwischen Mitte und Ende November geplant sind. Die Entscheidung trifft der CDU-Parteitag am 7. Dezember in Hamburg. Merkel verzichtet nach 18 Jahren auf eine neue Kandidatur als CDU-Chefin.