In der AfD-Spendenaffäre hat sich Parteichef Alexander Gauland hinter seine Co-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel gestellt. "Ich glaube nicht, dass sie sich Vorwürfe machen muss", sagte Gauland der Bild-Zeitung. "Hier hat offensichtlich der Schatzmeister falsch gehandelt. Das Geld ist zu spät zurückgezahlt worden, das will ich gerne zugeben." Daraus könne Weidel aber kein Vorwurf gemacht werden.

Weidel selbst sagte der Zeitung, der Landesschatzmeister habe die Spende aus der Schweiz als unproblematisch eingestuft. Zuvor hatte sie bereits persönliche Konsequenzen ausgeschlossen: Das Geld sei nicht an sie als Person geflossen, sondern auf das ordentliche Konto des Kreisverbandes Bodensee, sagte sie in Berlin.

Nach Recherchen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung sollen zwischen Juli und September 2017 insgesamt rund 130.000 Euro von einer Schweizer Pharmafirma an den AfD-Kreisverband Bodensee geflossen sein, für den Weidel als Spitzenkandidatin der AfD zur Bundestagswahl im September 2017 angetreten war und in dem sie noch stellvertretende Vorsitzende ist. Mit dem Betreff "Wahlkampfspende Alice Weidel" wurde die Summe in 18 Tranchen von meist 9.000 Schweizer Franken (knapp 7.900 Euro) überwiesen.

Die Annahme der Spende durch die AfD dürfte ein Verstoß gegen das Parteiengesetz sein. Laut Bundestagsverwaltung dürfen Parteispenden aus Ländern außerhalb der EU – also auch aus der Schweiz – grundsätzlich nicht angenommen werden. Unzulässige Parteispenden müssten unverzüglich zurückgeleitet oder an den Bundestagspräsidenten abgeführt werden. Laut NDR, WDR und SZ zahlte die AfD das Geld aber erst Mitte April 2018 zurück. Die Bundestagsverwaltung hat die AfD zu einer Stellungnahme binnen vier Wochen aufgefordert.

Unklar bleibt, wer hinter der Spende steckt. Wie der Rechercheverbund mit Verweis auf den Verwaltungsrat der betroffenen Firma PWS PharmaWholeSale International in Zürich berichtet, will der Geschäftsführer des Schweizer Unternehmens das Geld lediglich "treuhänderisch für einen Geschäftsfreund" überwiesen haben. "Wir haben einfach die Kontonummer bekommen und den Text 'Wahlkampfspende für Frau Weidel'", wird der Verwaltungsrat zitiert. Daraufhin habe das Unternehmen die Spenden jeweils weitergeleitet.

Laut Verwaltungsrat könne der PWS-Chef nicht sagen, wer der Geschäftsfreund ist, dem er lediglich einen Gefallen habe tun wollen. Er habe inzwischen Kontakt zur Bank aufgenommen, um den Sachverhalt aufzuklären. PWS sei nur eine "kleine Kutsche", sagte der Verwaltungsrat dem Bericht zufolge. Man produziere nur ein Produkt, "so Säfte". Der Geschäftsführer sei ein Apotheker aus Zürich und kein Extremist. Er habe mit der AfD "überhaupt nichts am Hut", sondern stehe politisch "in der Nähe der FDP (…), eher noch etwas links".

Von den Liberalen äußerte sich jetzt ihr stellvertretender Vorsitzender Wolfgang Kubicki – in seiner Funktion als Bundestagsvizepräsident. Seiner Einschätzung nach drohen der AfD nun bis zu 390.000 Euro Strafe. Er könne das Verhalten von Weidel in der Angelegenheit nicht verstehen, sagte der FDP-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Verantwortliche in der Partei "dürften gewusst haben, dass Parteispenden aus dem außereuropäischen Ausland entweder sofort zurückzuweisen oder aber unverzüglich dem Bundestagspräsidenten auszuhändigen sind".

Die Antikorruptionsorganisation Transparency International Deutschland hat Zweifel an Weidels Beteuerung. Diese widerspreche jeder Lebenserfahrung und werde offensichtlich auch im Kreisverband nicht geteilt, sagte Transparency-Vizechef Hartmut Bäumer der Passauer Neuen Presse. "Frau Weidel wird erklären und darlegen müssen, wann sie von der unzulässigen Großspende aus der Schweiz an sie und ihren Kreisverband erfahren hat und welche Maßnahmen sie daraufhin ergriffen hat."