Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wird von mehreren Seiten für seinen Vorschlag kritisiert, dass Kinderlose einen höheren Beitrag zur Pflegeversicherung zahlen sollen. Eltern zu unterstützen sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sagte ein Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Annelie Buntenbach. "Da müssen gerade die starken Schultern den größeren Anteil übernehmen", sagte sie am Samstag der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Auch die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, kritisierte Spahns Vorschlag. "Das ist nicht zielgenau und nicht zielführend", sagte sie. Um Familien in der Erziehungsphase zu entlasten, solle die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert werden. Außerdem solle der steuerfinanzierte Familienleistungsausgleich ausgebaut werden. Der VdK ist der größte Sozialverband Deutschlands.

Bereits am Freitag hatte auch Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) gesagt, Kinderlose zu bestrafen sei eine "schräge Idee", weil die Kinderlosigkeit in vielen Fällen ungewollt sei. Er sagte, Familien müssen unterstützt werden.

Spahn verteidigt seinen Vorschlag

Spahn hatte bereits Mitte Oktober vorgeschlagen, dass Kinderlose mehr in die Pflegeversicherung einzahlen sollten. Am Freitag erschien ein Gastbeitrag für die Zeitungen der Neuen Berliner Redaktionsgemeinschaft, in dem er dasselbe erneut vorschlug. Aktuell zahlen Kinderlose bereits 0,25 Prozentpunkte mehr als Versicherte mit Kindern. Zum Jahreswechsel steigt der Satz für alle Versicherten um 0,5 Punkte: Kinderlose müssen dann 3,30 Prozent ihres Einkommens in die Pflegeversicherung einzahlen, Eltern 3,05 Prozent.

Am Samstag verteidigte Spahn sich nun gegen die Kritik. "Eltern müssen in der Sozialversicherung mehr entlastet werden", sagte er der Bild-Zeitung am Samstag. "Sie ziehen für uns alle die Beitragszahler von morgen groß." "Schräg" sei es, "Vorschläge sofort zu disqualifizieren, ohne sie zu debattieren". Das löse keine Probleme, sagte Spahn. CDU-Finanzexperte Sepp Müller verteidigte Spahns Idee ebenfalls. "Bitte lieber heute als morgen umsetzen. Denn unsere Gesellschaft und unsere Sicherungssysteme funktionieren nur mit Kindern", sagte Müller.