Hessen hat einen Antrag in die Innenministerkonferenz (IMK) von Bund und Ländern eingebracht, der immer mehr Unterstützer findet. Es geht um das Abbrennen von Feuerwerkskörpern in Fußballstadien. Bislang wird das als Ordnungswidrigkeit behandelt, die mit einem Bußgeld geahndet wird. Hessen fordert, solche Aktionen künftig als Straftat mit mindestens einem Jahr Haft zu bestrafen.  

Bei Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) stößt der Vorschlag seines hessischen Amtskollegen Peter Beuth auf Zustimmung: "Das illegale Abbrennen von Feuerwerkskörpern oder Zünden von Bengalos und Rauchfackeln ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine gefährliche Straftat, bei der schlimmste Verletzungen drohen. Das muss sich auch im Strafmaß widerspiegeln", sagte er der Welt.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) und der IMK-Vorsitzende Holger Stahlknecht (CDU) aus Sachsen-Anhalt sind weitere Befürworter des Beuth-Vorstoßes. Reul setzt sich auf der IMK dafür ein, entweder höhere Geldbußen oder moderate Freiheitsstrafen möglich zu machen. Gleichzeitig will er die Vereine dazu verpflichten, die Eingangskontrollen vor den Stadien zu verschärfen.

Auch die Polizeigewerkschaften unterstützen den Vorstoß. Schon seit Jahren würden durch Pyrotechnik in den Stadien unbeteiligte Zuschauer verletzt oder massiv gefährdet, sagte Oliver Malchow, der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), dem Blatt. So geschehen etwa Ende Oktober bei dem Bundesliga-Spiel von Borussia Dortmund und Hertha BSC, wo Dutzende Stadionbesucher durch Bengalos – deren Gebrauch im Stadion eigentlich verboten ist – verletzt worden seien.

In den ersten drei Fußballligen wurden während der Saison 2017/18 insgesamt fast 900 Strafverfahren wegen des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz eingeleitet. Die Zahl der verletzten Zuschauer durch Pyrotechnik in den Stadien ist jedoch gering. Laut des Berichtes der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (Zis) wurden in der abgelaufenen Bundesliga-Saison insgesamt 662 Personen in Fußballstadien verletzt. Davon 10 durch Pyrotechnik, 54 durch sogenannte polizeiliche Reizstoffe, also Pfefferspray und Ähnliches.

In der Fanszene sorgt der Vorstoß deshalb bereits für heftige Diskussionen. Politiker wie Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) halten wenig von der Idee, für das Zünden von Bengalos im Stadion künftig Haftstrafen zu verhängen. Statt härterer Strafen sollten lieber die Sicherheits- und Kontrollmaßnahmen im Stadion verstärkt werden, sagte der SPD-Politiker in Magdeburg, wo die Innenminister noch bis Freitag tagen. Der Vorschlag des hessischen Innenministers ist eines von mehr als 70 Themen.