Außenminister Heiko Maas (SPD) hat sich kurz vor Beginn einer Klausurtagung der Sozialdemokraten für mehr Selbstbewusstsein innerhalb der Partei ausgesprochen. Zudem forderte er weniger Personaldebatten. "Die SPD hat in den letzten 15 Jahren ihre Probleme immer zu Macht- und Personalfragen gemacht. Was wir davon haben, das erleben wir heute", sagte Maas. Seiner Einschätzung nach müssten die Mitglieder der SPD ihre Einstellung ändern, so Maas: "Die SPD braucht vor allen Dingen mehr Selbstbewusstsein statt Selbstbeschäftigung, mehr Haltung statt Zaudern. Und wegen der Lust am eigenen Untergang ist noch niemand gewählt worden."

Die Landesvorsitzende der SPD Baden-Württemberg, Leni Breymaier, sprach sich gegen einen erneuten Personalwechsel an der Parteispitze aus. Die Vorsitzende Andrea Nahles sei vor einem Jahr gewählt worden. Es sei "nicht klug", ständig die Vorsitzenden auszuwechseln, sagte Breymaier und forderte stattdessen ein geschärftes Profil: "Wir müssen bei ein paar Themen nicht versuchen, es 100 Prozent der Leute recht zu machen. Ich glaube, man darf auch mal 50 Prozent der Menschen verprellen und dafür Haltung haben und klare Positionen."

Auch Nahles' Vize Ralf Stegner lehnte eine erneute Personaldebatte ab. Die Partei müsse deutlich machen, wofür sie stehe. "Gutes Regieren allein reicht eben nicht, das merkt man ja, sondern wir müssen auch jenseits davon unser Profil schärfen als linke Volkspartei", sagte Stegner. Den Zustand der großen Koalition bewertete er kritisch. Da müsse sich "drastisch und rasch was ändern". Nach dem Treffen sagte er über den Verlauf des Tages: "Wir haben über alle Inhalte miteinander gesprochen. Heute sind keine Beschlüsse gefallen." Über Ergebnisse wolle die Partei am heutigen Montag sprechen.

Die Parteispitze will während der Klausurtagung einen Ausweg aus der tiefen Krise der SPD finden. Am Sonntagabend traf in Berlin zunächst das Präsidium der Partei ein, am Montag ist eine Sitzung des Vorstands geplant. Die Politikerinnen und Politiker wollen sich auch zu geplanten Projekten aus dem Koalitionsvertrag beraten. Der Druck auf Parteichefin Nahles war nach schlechten Wahlergebnissen bei den Landtagswahlen in Bayern und Hessen zuletzt weiter gestiegen.