Nun ist also eingetreten, was wahrscheinlich nicht wenige Christdemokraten gern verhindert hätten: Mit Annegret Kramp-Karrenbauer folgt auf Angela Merkel wieder eine Frau als Vorsitzende der CDU. Und so eine zweite Frau ist in manchen Augen natürlich schlimmer als die erste.

War Merkel vor 18 Jahren noch eine Art Notlösung gewesen, die lange Unterschätzte, Belächelte, eigentlich nur eine Übergangskandidatin für die von der Spendenaffäre um Helmut Kohl so arg geschwächte Partei, tritt Kramp-Karrenbauer nicht nur in ihre Fußstapfen, sondern beweist mit ihrem Sieg einmal mehr, dass die Partei in den Merkel-Jahren auch gelernt zu haben scheint: Volkspartei kann nur sein, wer Frauen genauso ernst nimmt wie Männer. Wer entweder von einer Frau geführt wird oder zumindest von einem Mann mit einem erkennbaren Sensorium für Gleichberechtigungsfragen, mit irgendwie weiblichen Fähigkeiten. Weder Friedrich Merz noch Jens Spahn besitzen diese wundersame Gabe.

Merkel hat diese Wahlentscheidung, diese erneute Revolution, mehr als andere angeschoben, als sie die saarländische Ministerpräsidentin im Frühjahr ins Amt der Generalsekretärin berief. Aber letztlich hat sie sie doch vor allem geschehen lassen. Das war es, was die Menschen mehr als die Parteimitglieder an ihr so geschätzt haben: Das Land konnte sich durch sie modernisieren und verändern, weil sie sich diesen Veränderungen nicht entgegengestellt hat, sondern mutig und beherrscht zugleich offen blieb für politische Entscheidungen jenseits einer Skala von links bis rechts. Auch das ist eine Facette ihrer ostdeutschen Prägung. Ihr fehlte mit dem Stallgeruch auch das Verständnis für jegliche Form von ideeller wie realer Besitzstandswahrung.

Eine Frau des Apparats

Für Merkel gilt, was auch für Willy Brandt schon galt: Sie war im Volk beliebter als in ihrer Partei. Sie schaute durch ihren Apparat hindurch zu den Menschen im Land. Das können nicht viele Politiker. Und das hat natürlich auch damit zu tun, dass sie selbst mit einer gewissen Verspätung und aus dem richtigen Leben in die Politik gekommen ist.

Annegret Kramp-Karrenbauer dagegen hat in ihrem Leben nichts als Politik gemacht. Sie ist eine Frau des Apparats, bereits Innen-, Sozial-, Frauen-, Familien-, Sport-, Kultur- und Präventionsministerin gewesen, zuletzt war sie im Saarland Ministerpräsidentin und Bildungsministerin. Wenn sie Kanzlerin würde, könnte man das Kabinett praktisch abschaffen, schrieb Tina Hildebrandt einmal in der ZEIT.