Bei der Wahl zum CDU-Vorsitz müssen Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz in einen zweiten Wahlgang. Bei der Abstimmung auf dem Bundesparteitag in Hamburg erhielt CDU-Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer 450 Stimmen, das sind 45 Prozent. Merz erhielt 392 der 999 abgegebenen Stimmen, was 39 Prozent entspricht. Erforderlich gewesen wären mindestens 50 Prozent der Stimmen der 1.001 Delegierten. Gesundheitsminister Jens Spahn kam als dritter Bewerber auf 157 Stimmen und scheidet daher aus dem Rennen aus.

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Abgestimmt wurde geheim, jede Delegierte erhielt dazu eine Tischwahlkabine aus Pappe. Merz hätte ein Chance, wenn sich die Wähler von Spahn auf seine Seite schlügen. Zuvor hatten sich die drei Bewerber noch einmal in jeweils 20 Minuten dauernden Reden den Delegierten und der Öffentlichkeit vorgestellt. Anschließend konnten die Delegierten Fragen stellen. Kramp-Karrenbauer verwies auf ihre langjährige Regierungserfahrung und Wahlerfolge im Saarland – ihr stärkstes Pfund in der Auseinandersetzung mit Merz. In ihrer Rede sprach sie über Mut, Europa und darüber, Schengen zu vollenden – sie wünsche sich eine Welt, in der man sich an Regeln halte. 

Merz' wichtigste Punkte waren: Wertschätzung für die scheidende CDU-Chefin Angela Merkel, ein Angebot der Zusammenarbeit an sie als Kanzlerin und seine Konkurrenten und das Versprechen, dass die Partei mit ihm Profil gewinnen werde. Worin genau dieses Profil bestehen wird, wie er sich genau gegen die heutige CDU abgrenzen will, das blieb allerdings unklar. Merz macht sich dafür stark, das Spektrum der Partei zu vergrößern. Auch Wertkonservative müssten sich in der CDU wieder zu Hause fühlen, sagte er. Und er wirbt für mehr Streit: Auch er habe die asymmetrische Demobilisierung – also den Verzicht auf allzu klare Positionen, um den Gegner nicht zu provozieren – schon erfolgreich eingesetzt.

Spahn zeichnete eine Vision, wie er sich das Land im Jahr 2040 wünsche. Er verbarg auch nicht, dass er seine Chancen auf einen Wahlsieg als gering einschätzte. Er wolle in einem Land leben mit einem selbstbewussten Patriotismus, der nicht ausgrenzt, wo jeder, der anpacken wolle, willkommen sei, sagte der 38-Jährige und warb dafür, die Partei zu verjüngen.

Merkel hatte sich entschlossen, nach 18 Jahren nicht mehr als CDU-Chefin kandidieren zu wollen. Erstmals seit langer Zeit kämpften mehrere Bewerber um den Parteivorsitz. Alle drei hatten sich in Regionalkonferenzen bundesweit Parteimitgliedern vorgestellt.  Merz steht für eine Korrektur von Merkels Mitte-Kurs, er dürfte die Partei wieder konservativer machen. Kramp-Karrenbauer steht für eine Fortsetzung des Merkel-Kurses.