Es war das spannende Finale eines interessanten Wahlkampfs: Die CDU hat Annegret Kramp-Karrenbauer auf ihrem Parteitag in Hamburg zu ihrer neuen Bundesvorsitzenden und damit zur Nachfolgerin von Angela Merkel gewählt. Die Saarländerin setzte sich nach einer emotionalen Rede in einer Stichwahl knapp gegen den früheren Unionsfraktionschef Friedrich Merz durch. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn war bereits im ersten Wahlgang ausgeschieden.

Die bisherige CDU-Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer erhielt im zweiten Wahlgang von den 999 abgegebenen Stimmen 517, also knapp 52 Prozent. Für Merz entschieden sich 482 (gut 48 Prozent) der Delegierten. Spahn war im ersten Wahlgang abgeschlagen auf knapp 16 Prozent der Stimmen gekommen. Offensichtlich wechselten nicht wenige Unterstützer Spahns im letzten Wahlgang zu Kramp-Karrenbauer.

Kramp-Karrenbauer hatte in ihrer Bewerbungsrede gesagt, die CDU müsse eine Partei sein, die Mut hat, anstatt "ängstlich nach rechts und nach links zu schauen". Merz forderte, von diesem Parteitag müsse "ein Signal des Aufbruchs und der Erneuerung" ausgehen. Er ging auf Fehler der Vergangenheit ein und sagte: "Ohne klare Positionen bekommen wir keine besseren Wahlergebnisse." Spahn sagte, die Partei müsse "mutig vorangehen, Debatten führen, Gegenwind aushalten". Deutschland sollte endlich wieder in der Lage sein, Brücken rechtzeitig zu sanieren und funktionstüchtige Flughäfen zu bauen. 

Vorsitz geht von einer Frau auf eine Frau über

Es war das erste Mal seit 1971, dass die CDU-Delegierten bei der Wahl ihres Vorsitzenden zwischen mehreren Kandidaten entscheiden konnten. Die Siegerin und auch die Verlierer riefen die CDU zur Geschlossenheit auf. Alle drei lobten den "fairen Wettbewerb" nach 18 Jahren mit Merkel an der Parteispitze. "Dieser Aufschwung muss weitergehen", sagte Kramp-Karrenbauer. Zugleich zeigte sie sich erleichtert über den Ausgang, es seien ihr "viele Steine vom Herzen gefallen". Schon der Abschied von Merkel als Parteichefin sei sehr emotional gewesen, "jetzt dieses knappe Rennen, dieses Herzschlagfinale".

Ihr Sieg markiert nicht nur wegen des Rückzugs von Merkel eine politische Zäsur. Erstmals geht der Vorsitz einer großen deutschen Partei von einer Frau zu einer anderen.

Merkel, die Kanzlerin bleibt, verabschiedete sich in einer für sie zwar typischen, aber auch stellenweise emotionalen Rede als Vorsitzende der CDU und wurde dafür von den Delegierten bejubelt. "Für meine Verbundenheit mit der Partei brauche ich keinen Parteivorsitz – und Bundeskanzlerin bin ich ja auch noch", sagte sie. Die CDU könne auch in Zeiten von Polarisierung und AfD gute Ergebnisse erringen, "wenn wir geschlossen und entschlossen kämpfen", sagte sie. "Wohin uns nicht enden wollender Streit führt, dass haben CDU und CSU in den letzten Jahren bitter erfahren." Ihrer Partei wünsche sie für die Zukunft auch "Fröhlichkeit im Herzen".

Merkel blickte auch auf die wichtigsten Entscheidungen ihrer Amtszeit zurück. Die CDU habe nach der Parteispendenaffäre unter Bundeskanzler Helmut Kohl nicht klein beigegeben, sondern "wir haben es allen gezeigt". Die Aussetzung der Wehrpflicht 2011 sei richtig gewesen, ebenso ihre Entscheidung von 2015, Flüchtlinge von der sogenannten Balkanroute in Deutschland aufzunehmen.

Die Kanzlerin wurde nach ihrer Rede von den 1.001 Delegierten mit knapp zehn Minuten Applaus gefeiert. Viele hielten Schilder mit der Aufschrift "Danke, Chefin" hoch.

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Katharina Schuler
Am Samstag will Kramp-Karrenbauer einen Kandidaten oder eine Kandidatin für das Amt des Generalsekretärs vorstellen. Zwei Namen werden derzeit oft genannt: Der des Vorsitzenden der Jungen Union, Paul Ziemiak und der des sächsischen Bundestagsabgeordneten und Staatssekretärs im Bundesinnenministerium, Marco Wanderwitz.
Katharina Schuler
Jens Spahn ist wieder ins Präsidium der CDU gewählt worden. Mit 89 Prozent erhielt er ein sehr gutes Ergebnis. Bei seiner ersten Wahl hatte er sich noch gegen Merkels Willen in einer Kampfkandidatur gegen den damaligen Gesundheitsminister Herrmann Gröhe durchsetzen müssen.

Ebenfalls ins Präsidium schafften es der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer und der Thüringer CDU-Vorsitzende Mike Mohring. Beide haben im kommenden Jahr Landtagswahlen zu bestehen.
Till Schwarze
"Kramp-Karrenbauer ist Parteichefin geworden, weil sie die Inkarnation der CDU und ihrer drei Wurzeln ist, christlich-sozial, liberal und konservativ", schreibt Ferdinand Otto in seinem Kommentar zur Wahl der neuen CDU-Chefin. "Die Wahl der vermeintlichen Nummer-sicher-Kandidatin ist für die CDU daher auch ein Risiko." Warum? Lesen Sie es hier
Till Schwarze

Ich bin ein Stück gelassener geworden, und einfach auch ein Stück mehr ich.

Jens Spahn
Trotz seiner Niederlage bleibt Jens Spahn zuversichtlich. "Ich kann mit dem Ergebnis echt gut leben", sagte er dem Fernsehender Phoenix. Er habe etwas gelernt über die Seele der Partei und ihre Bedeutung für das Land. Und: "Ich bin ein Stück gelassener geworden, und einfach auch ein Stück mehr ich." Er bereue es nicht, kandidiert zu haben: "Es hat sich von Anfang an richtig angefühlt." Zudem habe er die Umfragen und die Stimmung schon vor der Wahl lesen können, das Ergebnis sei keine Überraschung gewesen.

Die Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer markiere einen historischen Tag, sagte Spahn. Bei den Regionalkonferenzen habe die Partei Lust auf Debatte bekommen. "Da sind ein paar Fenster aufgestoßen worden in den letzten Wochen." Die Partei brauche jetzt die volle Aufmerksamkeit.
Katharina Schuler
Die Stellvertretenden von Kramp-Karrenbauer sind gewählt: Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier bekommt mit 90 Prozent das beste Ergebnis, am schlechtesten schnitt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ab. Sie erhielt nur 57,4 Prozent. Dies ist wohl auch als deutlicher Hinweis zu verstehen, dass von der Leyen als eine Vertreterin der Merkel-Ära gilt, die zu Ende gegangen ist.
Julia Klöckner schnitt mit 86 Prozent am zweitbesten unter den stellvertretenden CDU-Vorsitzenden ab, Armin Laschet erhielt 75 Prozent. Thomas Strobl, Innenminister aus Baden-Württemberg erhielt mit 59 Prozent ebenfalls einen deutlichen Dämpfer.
Till Schwarze
Saarländischer Patriotismus
Till Schwarze
Angela Merkel habe sich einmal mehr gegen die Männer in der CDU durchgesetzt, meint zumindest der Grünen-Politiker Jürgen Trittin.
Carmen Boeker
Die ersten Aussprachehilfen für die neue CDU-Chefin lassen nicht lange auf sich warten. Erinnert sich noch jemand daran, wie man sich in Deutschland, lange vor der Zeit des #servicetweets, mit dem Namen Giscard d'Estaing abgemüht hat? Jetzt sind eben mal die anderen dran.

Carmen Boeker

Herzliche Gratulation, Frau Kollegin. Es ist nun die Aufgabe, die CDU zu einen. Eine Mehrheit des Parteitags sprach sich für eine andere Strategie aus, hat dann aber eher Kontinuität gewählt. Wir freuen uns auf fairen Wettbewerb und gute Zusammenarbeit!

Christian Lindner, Bundesvorsitzender der FDP
Carmen Boeker

Sie tritt in große Fußstapfen. Ich wünsche ihr dabei viel Erfolg.

Andrea Nahles, SPD-Vorsitzende