Fertigprodukte wie Tiefkühlpizza oder Müsli sollen schrittweise mit weniger Zucker, Salz und Fett auskommen. Das sehen Pläne von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) vor, über die das Bundeskabinett berät. Einem Bericht der Bild-Zeitung zufolge einigte sich Klöckner mit der Lebensmittelbranche auf konkrete Zielvorgaben bis 2025. Es handele sich um eine Selbstverpflichtung, die im kommenden Herbst erstmals überprüft werden solle, sagte Klöckner.

Laut der Zeitung verpflichtete sich etwa die Branche der nicht alkoholischen Erfrischungsgetränke dazu, 15 Prozent Zucker in ihren Getränken zu reduzieren. Der Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft habe zugesagt, mindestens 20 Prozent weniger Zucker in Kinder-Frühstückscerealien zu verwenden. Der Milchindustrie-Verband will dafür sorgen, dass für Kinder beworbene Joghurts nicht mehr Zucker als normale Joghurts enthalten dürften, was eine Reduktion um etwa zehn Prozent Zucker bedeute.

Klöckner hob hervor, dass sich die Branche erstmals verpflichtet, ungesunde Inhaltsstoffe zu reduzieren und sich in ihren Schritten überprüfen zu lassen. "Wenn die Wirtschaft nicht mitmacht, werden wir weitere Maßnahmen prüfen", sagte sie der Zeitung.

foodwatch fordert weitere Schritte

Die Verbraucherorganisation foodwatch kritisierte, Klöckner kusche vor der Lebensmittelindustrie. Andere Länder machten Ernst im Kampf gegen Fettleibigkeit und beschränkten unter anderem Werbung für Kinder oder besteuerten überzuckerte Limonaden. Dagegen bitte die Ministerin "die Hersteller freundlich, etwas weniger Zucker in ihre Produkte zu kippen - und überlässt es den Unternehmen, ob sie mitmachen oder nicht", sagte foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker.

Klöckner hatte die Strategie im November vorgelegt. Sie soll Anfang 2019 starten und in den Fortschritten regelmäßig überwacht werden. Vorgesehen sind ein Monitoring und eine Internetplattform, um die schrittweise Änderung von Rezepturen bis 2025 auch für Verbraucher transparent zu machen. Auch Portionsgrößen von Produkten sollen kleiner werden.

In Deutschland gelten laut Ministerium 47 Prozent der Frauen, 62 Prozent der Männer und 15 Prozent der Kinder als übergewichtig. Zu viel Zucker, Fett und Salz erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes.