Die Probleme am Regierungsflieger Konrad Adenauer, die eine pünktliche Anreise von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum G20-Gipfel in Argentinien verhindert hatten, gehen auf Versäumnisse einer Lufthansa-Tochterfirma zurück. Dies berichtet der Spiegel und beruft sich dabei auf einen vertraulichen Bericht des Generals Flugsicherheit der Bundeswehr von Mitte Dezember.

Demnach hatte Lufthansa-Technik, die den A340 umgebaut hatte und seitdem regelmäßig wartet, nach einer solchen Inspektion die Piloten der Flugbereitschaft und den Hersteller Airbus nicht über ein neu eingebautes digitales Kommunikationssystem informiert. Die Folge: Da sie über keine ausreichenden Kenntnisse über die verwendete Technik verfügten, konnten die Piloten nicht angemessen auf einen Stromausfall des Systems reagieren und die Kommunikationstechnik wieder in Gang setzen.

Wie der Spiegel weiter berichtet, hatte ein defektes Bauteil – eine zentrale Schalteinheit in der Bordelektronik, die sogenannte Transformer Rectifier Unit – gleich zwei Funksysteme lahmgelegt, die sich im Notfall gegenseitig ersetzen sollen. Außerdem konnte der Pilot durch den Defekt kein Kerosin in die Luft ablassen, um das Landegewicht zu verringern.

Piloten müssen über neues Kommunikationssystem informiert werden

Dem Bericht zufolge hat die Flugbereitschaft nun angeordnet, dass alle Piloten über das neue Kommunikationssystem informiert werden müssen. 

Lufthansa Technik wies den Vorwurf zurück. Der Konzernsprecher Jens Krüger sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Die Lufthansa Technik hat zu jedem Zeitpunkt sämtliche luftrechtlichen Vorgaben eingehalten. Das gilt auch für den Umgang mit den Dokumentationspflichten." Zu Einzelheiten äußerte er sich nicht.

Auch das Verteidigungsministerium dementierte den Spiegel-Bericht. "Maßgeblich für den Zwischenfall war ein Ausfall eines Bauteils, in der Folge auch der Funkgeräte. Dies liegt nicht an Lufthansa-Technik", sagte ein Ministeriumssprecher der Deutschen Presse-Agentur. Ihm zufolge war das "Flugzeug immer in einem sicheren Zustand und die Sicherheit an Bord immer gewährleistet".

In beiden A340 der Flugbereitschaft wurde nach früheren Angaben des Verteidigungsministeriums mittlerweile ein Austauschbauteil eingesetzt und eine Änderung der Konfiguration vorgenommen. Während die Theodor Heuss inzwischen wieder zur Verfügung steht, ist die Konrad Adenauer derzeit zu einer ohnehin geplanten Instandsetzung in der Hamburger Technikwerft.

Bereits häufiger Probleme mit Regierungsflugzeugen

Merkels Flug zum G20-Gipfel war in der Nacht zum 30. November abgebrochen und auf den Flughafen Köln/Bonn geleitet worden, wo die Kanzlerin, ihr Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) und die anderen Delegationsmitglieder übernachten mussten. Am nächsten Tag dann flogen Merkel und Scholz sowie ein kleiner Teil der Delegation erst nach Madrid und dann mit einer Linienmaschine der Fluggesellschaft Iberia schließlich weiter in die argentinische Hauptstadt, wo sie zumindest noch am Abendessen mit den anderen Staats- und Regierungschefs der G20-Staaten teilnehmen konnte.

Die Flugzeuge der Bundesregierung bereiten immer wieder Probleme. Erst Mitte Oktober gab es eine Panne mit der Konrad Adenauer. Nagetiere hatten die Maschine in Indonesien lahmgelegt und Scholz zur Rückreise per Linie von der Tagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) gezwungen. Mäuse oder Ratten waren in den geparkten Airbus gelangt und hatten wichtige Kabel angeknabbert.

Somit wurde Scholz nun zum zweiten Mal binnen sechs Wochen Leidtragender eines Defekts mit einem Langstrecken-Airbus, von denen die Flugbereitschaft nur zwei besitzt. Jüngst war es auch bei der Afrikareise von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu Verzögerungen wegen eines technischen Defekts an einer Maschine gekommen.