Der bei der Wahl zum CDU-Parteivorsitz unterlegene frühere Unions-Fraktionschef Friedrich Merz ist nach eigenen Worten bereit, komplett in die Politik zurückzukehren. "Ich habe mein Angebot noch einmal erneuert, wirklich mit ganzer Kraft in die Politik zu gehen und dafür auch meine bisherige berufliche Tätigkeit aufzugeben", sagte der CDU-Politiker der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und bestätigte damit auch ein Gespräch zwischen ihm und der neuen Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer.

Bewerbung fürs Kabinett

Auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, ein Amt als Bundesminister zu übernehmen, antwortete Merz: "Ein solches Amt würde ich mir aufgrund meiner Erfahrung in der Wirtschaft und Politik zutrauen." Die Entscheidung liege aber nicht in seiner Hand, sondern sei "Sache der Kanzlerin", fügte er hinzu und betonte erneut, bei einem entsprechenden Angebot seine berufliche Tätigkeit etwa bei dem Finanzinvestor BlackRock aufzugeben. 

Merz war der früheren saarländischen Regierungschefin und CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer auf dem Parteitag am 7. Dezember in einer Kampfabstimmung knapp unterlegen. Anhänger von Merz hatten direkt nach der Niederlage einen Wechsel des Kandidaten ins Kabinett ins Gespräch gebracht. So könne das unzufriedene Lager des Sauerländers besänftigt und eine noch tiefere Spaltung der Partei verhindert werden, hieß es. In der CDU-Spitze gilt es allerdings als unwahrscheinlich, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Merz einen ihrer schärfsten Kritiker in ihr Kabinett holt.

Dessen Einbindung fordern vor allem konservative und wirtschaftsnahe Parteigruppierungen, die jetzt davor warnen, den 63-Jährigen erneut zu übergehen. "Über 48 Prozent der Delegierten und die breite Zustimmung der Parteibasis für Friedrich Merz in den vergangenen Wochen bei Regionalkonferenzen und Basisabstimmungen zu übergehen, hätte fatale Folgen", sagte der Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrates, Wolfgang Steiger, der Rheinischen Post. "Diese engagierten Mitglieder muss die CDU dringend einbinden, wenn sie die schweren Wahlen im Frühjahr gewinnen will."

Merz gesteht schwachen Auftritt ein

Innerhalb dieser Kreise wurde kurz nach dem CDU-Parteitag in Hamburg auch darüber spekuliert, dass Merz während seiner Bewerbungsrede für den Vorsitz benachteiligt worden sei. Unter anderem hatte es Gerüchte gegeben, das Mikrofon sei leiser gedreht worden. Nun sagte der Betroffene, er können mit diesen Gerüchten "gar nichts anfangen". Der Wettbewerb sei fair gewesen, sagte Merz und gestand ein, dass sein Auftritt Schwächen gehabt hatte. "Aus der Rückschau betrachtet, hätte ich freier sprechen sollen – es lag aber sicher auch an meiner Tagesform, dass die Inhalte nicht optimal rübergekommen sind."

Zugleich gab sich Merz selbstbewusst und antwortete auf die Frage, ob er manchmal Angst habe, Erwartungen der CDU-Anhänger und -Anhängerinnen zu enttäuschen, mit: "Nein, ich meine, dass das Bedürfnis großer Teile der Bevölkerung, dass mehr wirtschaftliche Sachkompetenz in die Politik eingebracht und komplexe Sachverhalte stärker erklärt werden, schon groß ist." Zur Frage, ob es eine Heilserwartung an seine Person gebe, sagte er: "Es werden sicher, ohne das selbst überhöhen zu wollen, inhaltliche, aber auch kommunikative Erwartungen mit meiner Person verbunden."

40 Prozent gegen einen Minister namens Merz

Es sei erstaunlich, dass jemand, der so lange aus der aktiven Politik draußen gewesen sei, einen so großen Zuspruch an der Basis bekomme, räumte Merz ein. Offensichtlich sei in der Vergangenheit "ein Teil des politischen Anspruchs vieler Menschen und vieler CDU-Mitglieder" nicht erfüllt worden. Damit zielte Merz auf die Politik Merkels. Die Entscheidung, sich nach der Niederlage nicht ins Parteipräsidium wählen zu lassen, verteidigte Merz: "Die Besetzung des Präsidiums ist immer eine fein austarierte Konstruktion, bei der die Interessen unterschiedlicher Landesverbände berücksichtigt werden."

Derzeit sehen viele Deutsche ein Ministeramt für Merz mit Skepsis. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa für die Bild-Zeitung sind 40 Prozent der Befragten dagegen, dass er zum aktuellen Zeitpunkt Bundesminister wird. Nur ein Viertel (25 Prozent) befürwortet ein Ministeramt für den 63-Jährigen. Bei den Unions-Wählerinnen widersprechen 41 Prozent: Sie sind der Meinung, dass Merz Bundesminister werden sollte. 32 Prozent sind dagegen. Die übrigen Befragten haben keine klare Meinung oder machen keine Angabe.