Bundesjustizministerin Katarina Barley ist die Spitzenkandidatin der deutschen Sozialdemokraten für die Europawahl. Sie wurde am Sonntag auf der SPD-Europadelegiertenkonferenz in Berlin mit 192 von 194 Stimmen auf Platz eins der Kandidatenliste gewählt – das sind 99,0 Prozent. Barley rief in ihrer Bewerbungsrede zu einem Kampf für Europa auf.

Barley hob die entscheidende Bedeutung der Wahl im kommenden Mai hervor. "Es geht um uns, es geht um die SPD, es geht um die Zukunft Europas", sagte Barley am Sonntag in ihrer Bewerbungsrede auf der Europadelegiertenkonferenz der deutschen Sozialdemokraten in Berlin. Angesichts des Aufstiegs von Rechtspopulisten in vielen EU-Staaten gelte es, Schaden von der Europäischen Union abzuwenden.

"Wir stehen an einem Scheideweg", sagte Barley mit Blick auf rechtsstaatliche Probleme in Polen und Ungarn, aber auch auf den bevorstehenden Brexit. Die EU sei der Garant für den Frieden in Europa, "das dürfen wir nicht aufs Spiel setzen". Niemals dürften Rechtspopulisten das Sagen in Europa bekommen.

"Wir müssen Europa weiterentwickeln"

Die derzeitige Bundesjustizministerin mahnte aber auch Reformen in Europa an. "Wir dürfen nicht stehen bleiben, wir müssen Europa weiterentwickeln." Dabei gehe es ihr vor allem um das soziale Europa: "Wir wollen einen europäischen Mindestlohn und eine europäische Sozialversicherung." Die Sozialdemokraten müssten dafür sorgen, "dass faire Löhne überall in Europa gezahlt werden", auch um Dumpingwettbewerb entgegenzutreten. Zudem könnten grenzüberschreitende Herausforderungen wie Umweltschutz und Klimawandel in Europa nur von der EU gemeinsam angegangen werden.

Barley räumte ein, dass sie selbst sich die Entscheidung für die Spitzenkandidatur und damit den Abschied von Bundestag und Ministeramt nicht leicht gemacht habe. "Ich habe mir das reiflich überlegt, weil ich das, was ich jetzt mache, sehr gerne mache." Auch sei sie "nicht so die Lautsprecherin und auch nicht so die Wagenmeisterin". Sie sei jedoch überzeugt, dass die Wähler eher Menschen suchten, "die auf Augenhöhe mit ihnen sind und sie ernst nehmen" – "ich glaube, das kann ich ganz gut".

Die Tochter eines britischen Vaters und einer deutschen Mutter verwies erneut auf ihre eigene europäische Prägung: "Was ich nun wirklich bin, ist, Europäerin zu sein, vom Scheitel bis zur Sohle." Sie selbst habe zwei Pässe, "den Vater meiner Kinder habe ich in Paris beim Erasmusstudium kennengelernt", hob sie hervor, "mehr Europa geht nicht".