Wegen der Probleme bei der Restaurierung des Segelschulschiffs Gorch Fock hat das Verteidigungsministerium einen vorläufigen Zahlungsstopp angewiesen. Als Begründung nannte ein Sprecher die "noch unklare Situation" und verwies auf die laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Osnabrück.

Wegen der zunehmenden Kosten sowie eines Korruptionsverdachts gegen einen Mitarbeiter hatte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) mit der Spitze der Marine beraten. "Ich mache mir große Sorgen um die Gorch Fock", sagte die Ministerin der Rheinischen Post, die auch zuerst über den Zahlungsstopp berichtete. 

Der 1958 gebaute Dreimaster wird seit 2016 überholt. Ursprünglich mit zehn Millionen Euro veranschlagt, werden die Kosten mittlerweile auf 135 Millionen Euro beziffert.

Die Rüstungsabteilung habe den Auftrag, "alle bisherigen technischen Kostenprüfungen im Zusammenhang mit dem Projekt zu durchleuchten", hieß es nach Ministeriumsangaben weiter. Erst danach könne eine Entscheidung über die Zukunft der Gorch Fock getroffen werden. Bislang sind den Angaben zufolge 69,5 Millionen Euro in die Restaurierung des Ausbildungsschiffs abgeflossen.

Die Linkspartei kritisierte mangelnde Transparenz in dem Fall. Ein Treffen hinter verschlossenen Türen, werde "wohl kaum dazu beitragen, das ohnehin ramponierte Image der Verteidigungsministerin wieder aufzupolieren" oder das Vertrauen in das Bundesverteidigungsministerium zurückzugewinnen, sagte Alexander Neu, Obmann der Linksfraktion im Verteidigungsausschuss. "Bitter nötige lückenlose Aufklärung und Transparenz gehen definitiv anders."

"Neubau wäre günstiger als weitere Sanierung"

"Eine solch immense Kostenexplosion bei der Sanierung des Schiffes, wie sie in den letzten Jahren zu Lasten der Steuerzahler aufgelaufen ist, ist weder nachvollziehbar noch hinnehmbar", fügte Neu hinzu. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) müsse nun "schnellstmöglich" eine Entscheidung über die Zukunft der Gorch Fock treffen. "Schon zum jetzigen Zeitpunkt wäre ein kompletter Neubau des Schiffes günstiger als die weitere Sanierung", hob der Linke-Abgeordnete hervor.

Der Korruptionsverdacht soll sich gegen einen Mitarbeiter des Marinearsenals Wilhelmshaven richten, der Gelder von der Werft und einer an der Sanierung beteiligten Firmen erhalten haben soll. Er hatte sich selbst angezeigt. Bereits im Januar hatte es Berichte gegeben, dass sich die zunächst auf zehn und im Oktober 2016 dann auf 35 Millionen Euro veranschlagten Sanierungskosten für die Gorch Fock inzwischen vervielfacht hätten.

Der Großsegler liegt seit zwei Jahren in der Elsflether Werft im niedersächsischen Landkreis Wesermarsch. Dort traten bei einer Überprüfung gravierende Mängel zutage.