Martin Schulz und Sigmar Gabriel haben ihre Differenzen aus dem Bundestagswahlkampf 2017 beiseitegelegt. "Man muss versuchen, die Eitelkeiten hinter sich zu lassen, die durch einen öffentlichen Streit entstehen", sagte Schulz im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Gabriel und ihm sei das gelungen, "die Krise" sei überwunden.

"Unsere Freundschaft basierte immer darauf, dass wir ehrlich miteinander umgehen konnten. Wir konnten beide immer miteinander über unsere Fehler reden. Wir haben in diesem Jahr beide Fehler gemacht, auch im Verhältnis zueinander", sagte Schulz

Der Streit zwischen dem damaligen SPD-Kanzlerkandidaten Schulz und dem damaligen Außenminister Gabriel war öffentlich geworden, als Gabriel in einem Interview seine Tochter mit den Worten zitierte, dass ihr Vater nun nicht mehr so viel Zeit mit "dem Mann mit den Haaren im Gesicht" verbringen müsse. "Als ich das gelesen habe, hat mich das verletzt. Das hat in diesem Moment zu einer Entzweiung zwischen uns geführt", sagte Schulz. Gabriel hatte die Wortwahl später bereut.

Die Öffentlichkeit, in der das geschehe, lasse den Angriff noch härter erscheinen. In Wirklichkeit aber sei es vor allem eine emotionale Reaktion eines Mannes gewesen, der "nicht nur emotional, sondern auch sehr ehrlich ist", sagte Schulz. "So ein Ereignis trägt deshalb immer das Potential eines Bruches, aber auch den Keim der Versöhnung. Ich bin froh, dass letzteres der Fall war."

"Ich bin Teil der Europakampagne"

Dass er auf das Außenministerium verzichten musste, habe ihn enttäuscht, sagte Schulz dem RND weiter. "Ich hätte gerne geholfen, die Europapolitik der SPD umzusetzen. Das hatte ich mir vorgenommen." Es habe aber an Rückendeckung gefehlt.

Im Europawahlkampf 2019 will Schulz offizielle Auftritte für die SPD absolvieren. "Ich bin Teil der Europakampagne im kommenden Jahr", sagte er. Ein Amt strebe er aber nicht an. Europa warte auf die Bundesrepublik: "Nach dem Brexit muss Deutschland als proeuropäischer Partner vorangehen", sagte Schulz.

Konkret fordert er eine Internetsteuer für große Digitalkonzerne wie Apple, Facebook, Google und Amazon. Dazu habe die Koalition in Berlin sich verpflichtet. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) habe der OECD ein Konzept vorgelegt. "Wenn es da nicht durchsetzbar ist, dann müssen wir es auf europäischer Ebene versuchen und es im Notfall gemeinsam mit Frankreich durchsetzen", sagte Schulz.

Deutschland und Frankreich hatten sich Anfang Dezember auf einen Kompromiss für eine EU-Digitalsteuer geeinigt. Sie soll 2021 eingeführt werden, wenn eine Lösung auf Ebene der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) scheitert. Die Steuer soll drei Prozent des Umsatzes betragen, aber nur auf Werbeeinnahmen erhoben werden. Zahlreiche andere Mitgliedstaaten sind strikt dagegen.