Franziska Giffey (SPD) ist optimistisch, dass ihre Fraktion der mit der Union ausgehandelten Vereinbarung zum Werbeverbot für Abtreibungen zustimmen wird, weil der Kompromiss zum Strafrechtsparagrafen 219a "verschiedene Interessen berücksichtigt und in einen Ausgleich bringt", sagte die Familienministerin der Bild-Zeitung. Dabei gehe es um "das Bedürfnis von Frauen nach umfassender Information, die notwendige Rechtsklarheit für die Mediziner und eine verlässliche Qualität der medizinischen Versorgung der Frauen".

Dagegen bekräftigte die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF), Maria Noichl, ihre Kritik an dem Kompromiss mit der Union. "Ich kann nicht sehen, welchen Schritt die CDU hier auf uns zu gemacht hat", sagte sie der Welt. Die SPD-Frauen hätten sich eindeutig für die Abschaffung des Paragrafen 219a positioniert, sagte die Europaabgeordnete. "Ich hoffe, dass wir hier ganz klare Kante fahren und unsere Position notfalls auch mit aller Härte durchziehen."

Die Gießener Ärztin Kristina Hänel, die wegen des Vorwurfs der Werbung für Abtreibungen zu einer Geldstrafe verurteilt worden war, kritisierte die Sozialdemokraten für den Kompromiss, von denen sie etwas anderes erwartet hätte. "Dass sie hier eine Zensur zementieren wollen, ist nicht zu verstehen und hat mit Sozialdemokratie gar nichts mehr zu tun", sagte Hänel den Zeitungen des RedaktionsNetzwerks Deutschland.