Für die Kornblumen aus Plastik, zwei Euro das Stück, gibt es einen eigenen Stand. Es solle sich doch jeder eine ans Revers heften, bitten die Gastgeber. Über die Blumen wird viel diskutiert an diesem Abend im Gasthof des sächsischen Dorfes Dohma. Sie sind das Symbol, das sich André Poggenburg und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter für ihre neue Partei ausgesucht haben. Es sind langjährige AfD-Politiker, die sich gerade mit einigem Getöse davon losgesagt haben und nun um Unterstützung für ihre eigene Partei werben. Diese heißt "Aufbruch deutscher Patrioten". Die Frage, wie viel weiter rechts sie sich von der AfD positioniert, beantworten auch die Kornblumen. Die waren das Erkennungszeichen von Nationalsozialisten. Auch dazu haben die "Patrioten" bei ihrem Neujahrsempfang einiges zu sagen.

Die meisten Tische in der rustikalen Scheune sind gut besetzt, doch von Gedrängel ist man weit entfernt. Etwa 160 Menschen sind gekommen. Egbert Ermer, früherer Vorstand des AfD-Kreisverbands Sächsische Schweiz und Pegida-Redner, nun Teil der neuen Parteiführung, sagt: "Es ist geil, die Hütte hier voll zu sehen." Es gibt Bier und Hausmannskost. Das Führungstrio läuft zu einem Blasmusikmarsch in den Saal und lässt sich ein bisschen feiern: Neben Ermer ist das Benjamin Przybylla aus Zwickau, einst Mitglied des sächsischen AfD-Landesvorstands, zuletzt mit Ämtersperren belegt; und André Poggenburg, langjähriger AfD-Vorsitzender in Sachsen-Anhalt, aber schon vor Monaten ins Abseits gestellt. Nun ist er Chef einer neuen Partei, die seine Initialen trägt. "Das ist nur Zufall", sagt er. "Als wir das festgestellt haben, war das für die anderen aber kein Problem." In der AfD waren die drei Männer ultrarechte Vertreter, Beispiele für die Verbindung zum Rechtsextremismus.

Vor einem Jahr hatten sie in einer Halle, nicht weit entfernt vom Gasthof in Dohma, zum Aschermittwoch der sächsischen AfD geladen – einer von vielen Skandalauftritten mit Hetzreden. Ermer führte damals durchs Programm. Poggenburg forderte auf der Bühne die Abschiebung von in Deutschland lebenden Türken: Die "Kümmelhändler" und "Kameltreiber" sollten "zu den Lehmhütten und ihren Vielweibern zurück an den Bosporus". Für die "Patrioten" war das ein Höhepunkt, von dem sie heute noch schwärmen. Nur sei es danach in der AfD nicht einfacher geworden, "Klartext" zu reden, die Partei sei "verweichlicht".

Nähe und zugleich Distanz zur AfD

In Dohma wird nun viel Frust abgelassen. "Die AfD überzieht verdiente Mitglieder mit Parteiausschlussverfahren, schießt gegen ihre eigene Jugendorganisation. Dabei sind diese Leute nur stärker rebellisch", sagt Egbert Ermer. "Unser Weg soll geradliniger, patriotischer sein, um unser Deutschland zu retten." Ein Mann aus dem Publikum meldet sich: "Die AfD ist nicht mehr bereit, sich für die Entfernung des islamischen Fremdkörpers in unserem Land einzusetzen. Die AfD wird im Wesentlichen von der Lust auf Posten bestimmt." André Poggenburg findet: "Lasst den Osten mal nicht so viele Punkte holen – dieses Gefühl hat sich in der Basismitgliedschaft ausgebreitet. Und die Parteiführung hat nicht angemessen darauf reagiert."

Mit der Neugründung wollen die Ex-AfDler Gleichgesinnte binden, sich dabei von der Mutterpartei distanzieren, aber nicht ganz den Kontakt abbrechen. Ein Widerspruch. Doch damit ziehen sie in den Wahlkampf. Zwischen den Abgesängen auf die einstige politische Heimat gibt es immer wieder Ermahnungen, sich nicht komplett von der AfD loszusagen. "Sie ist nicht unser Feind", sagt Poggenburg. "Ja, die Entwicklungen haben uns hinausgetrieben, wir haben das Joch aus Berlin abgeschüttelt. Aber wir stehen einem Großteil des Programms und einem größten Teil der Mitglieder, zumindest in den neuen Ländern, immer noch positiv gegenüber." Er selbst habe immer noch Kontakt zum Thüringer Björn Höcke, einst waren sie zusammen Vorkämpfer im rechtsnationalen AfD-Flügel. "Wir haben nicht viel Kontakt im Moment, aber das Tischtuch ist nicht zerrissen, wie vielleicht mancher denkt."