Bei einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus haben Abgeordnete der bayerischen AfD-Fraktion kurzzeitig das Plenum verlassen. Sie reagierten damit auf eine Rede der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch.  

Sie hatte in ihrer Rede die AfD kritisiert und die Gesellschaft und alle demokratischen Parteien zum Schutz der Demokratie aufgerufen. "Diese sogenannte Alternative für Deutschland gründet ihre Politik auf Hass und Ausgrenzung und steht nicht nur für mich nicht auf dem Boden unserer demokratischen Verfassung", sagte Knobloch. "Es ist unser aller Verantwortung, dass das Unvorstellbare sich nicht wiederholen darf."

Als die AfD-Politiker den Saal verließen, sagte die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland: "Kehren Sie zurück zu dem Eid, den Sie auf unser Land geschworen hatten, auf eine freiheitliche Demokratie, und lassen Sie uns dem Hass entgegentreten." Zuvor hatte Knobloch erklärt, die freiheitliche Demokratie fuße auf der Gedenkkultur. Im Bundestag und in Landtagen sitze aber mit der AfD eine Partei, "die diese Werte mit verächtlich macht, die die Verbrechen der nationalsozialistischen Zeit verharmlost und enge Verbindungen ins rechtsextreme Milieu unterhält".

Die verbliebenen Gäste der Gedenkfeier spendeten Knobloch nach ihrer Rede stehende Ovationen, einzig die anwesenden AfD-Abgeordneten blieben dabei auf ihren Plätzen sitzen.

Die bayerische AfD verfügt seit der Landtagswahl 2018 über 22 Sitze im Parlament. Die Partei steht wegen ihrer Äußerungen zum Nationalsozialismus regelmäßig in der Kritik. 2017 hatte der Thüringer AfD-Fraktionschef Björn Höcke in einer Rede mit Bezug auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin gesagt: "Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat."

Auch im Bundestag kritisieren Politiker wie die Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) oder Wolfgang Kubicki (FDP) eine radikale Veränderung der Umgangsformen seit dem Einzug der AfD in den Bundestag.