Ein drittes Mal will Katrin Göring-Eckardt nicht als Spitzenkandidatin für die Grünen antreten. Sie wisse schon jetzt, dass sie bei der nächsten Bundestagswahl auf eine Kandidatur verzichte, sagte die 52-Jährige in einem Interview. "Ich war zweimal Spitzenkandidatin und es war eine tolle Aufgabe. Aber beim nächsten Mal machen das andere", sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Bei der Bundestagswahl 2017 hatten die Grünen mit den Spitzenkandidaten Göring-Eckardt und Cem Özdemir ein Ergebnis von 8,9 Prozent erzielt. Unter ihren heutigen Vorsitzenden Robert Habeck und Annalena Baerbock erleben sie einen Höhenflug und stehen in Umfragen bei 19 bis 20 Prozent. Bei den Landtagswahlen in Bayern wurden die Grünen im Herbst 2018 zweitstärkste Kraft. Im Oktober erzielten sie in Hessen ebenfalls ein zweistelliges Ergebnis, dort ist der grüne Vizeministerpräsident Tarek Al-Wazir beliebt und erfolgreich.

Umfragehochs und gute Ergebnisse führt Göring-Eckart auf Persönlichkeiten und die Haltung der Partei zurück. "Unsere Parteivorsitzenden sind die Richtigen zur richtigen Zeit", sagte Göring-Eckardt. "Wir sprechen Themen an, die für die Leute wichtig sind." In den Verhandlungen über eine Jamaika-Koalition hätten die Grünen bewiesen, dass sie bereit seien, Verantwortung zu übernehmen. "Das honorieren die Leute – gerade auch angesichts der dürftigen Vorstellung der Regierungskoalition aus Union und SPD", sagte die Fraktionsvorsitzende.

Europawahl als Gradmesser

Ob die Grünen angesichts der guten Umfragewerte zur nächsten Bundestagswahl einen Kanzlerkandidaten oder eine Kanzlerkandidatin aufstellen sollten, dazu äußerte sich Göring-Eckardt nicht. "Die Europawahlen im Mai werden ein Gradmesser sein, wo die Parteien wirklich stehen", sagte sie.

Die Wechsel an der Spitze von CDU und CSU werden ihrer Einschätzung nach das Zustandekommen schwarz-grüner Bündnisse künftig erschweren. "Frau Kramp-Karrenbauer ist noch weniger liberal und weniger umweltbewusst als Frau Merkel. Sie hält nichts von der Ehe für alle, und die erneuerbaren Energien sind im Saarland kaum vorangekommen", sagte sie. "Bei Markus Söder weiß ich einfach nicht, wofür er steht", sagte die Grünenpolitikerin. Er sei "sehr wandlungsfähig".

Außerdem bezweifelte Göring-Eckardt in dem Interview Aussagen der Union, mit der AfD nicht zusammenarbeiten zu wollen. "Frau Kramp-Karrenbauer sagt, dass sie mit der AfD nichts zu schaffen haben will – und ich glaube, dass die neue CDU-Chefin da ehrlich ist. Aber ich befürchte, dass sich einzelne Landespolitiker im Zweifel nicht darum scheren", sagte sie. Sie wolle von jedem CDU-Spitzenkandidaten wissen, wie er es mit der AfD halte und ob er eine Zusammenarbeit kategorisch ausschließe.