Datendiebstahl - Hackerangriff auf Politiker und Prominente Unbekannte haben private Daten von Politikern fast aller Bundestagsparteien veröffentlicht. Auch von anderen Prominenten wurden Chats und Telefonnummern veröffentlicht. © Foto: Kay Nietfeld/dpa

Alle aktuellen Entwicklungen zum mutmaßlichen Hackerangriff auf Politiker und Prominente finden Sie in unserem Liveblog.

Daten und Dokumente zahlreicher deutscher Politikerinnen und Politiker sind im Internet veröffentlicht worden. Betroffen sind Bundes- und Landespolitiker aller im Bundestag vertretenen Parteien außer der AfD, geht aus den Veröffentlichungen hervor. Zuerst hatte der rbb darüber berichtet. Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch bestätigte einen Zwischenfall.

Geleakt wurden vor allem Kontaktdaten wie Handynummern und Adressen, aber auch parteiinterne Dokumente wie Bewerbungsschreiben für Parteitage. In einigen Fällen wurden sehr persönliche Daten veröffentlicht – etwa Bilder von Personalausweisen, Einzugsermächtigungen für Lastschriftverfahren und Chats mit Familienmitgliedern oder Kreditkarteninformationen aus dem Familienkreis. Zum Teil sind die Dokumente mehrere Jahre alt.

Die Daten wurden bereits vor Weihnachten über eine Art Adventskalender auf Twitter veröffentlicht. Der Account, der die Dokumente publizierte, hat mehr als 17.000 Follower. Bereits seit 2017 wurden dort immer wieder persönliche Daten von bekannten Menschen veröffentlicht. Sie sind mehrfach gespiegelt und kaum zu löschen.

Datendiebstahl - »Eine höhere zweistellige Zahl von Angriffen, die sehr erfolgreich waren« Nach dem Hackerangriff auf Politiker und Prominente laufen die Ermittlungen. Man gehe derzeit von rund 1.000 Fällen aus, sagt BSI-Präsident Arne Schönbohm. © Foto: Wolfgang Rattay/Reuters

Cyber-Abwehrzentrum trifft sich zu Krisensitzung

Infolge des Leaks ist das Nationale Cyber-Abwehrzentrum zu einer Krisensitzung zusammengetreten. Zu dem Gremium gehören der Bundesverfassungsschutz, das Bundeskriminalamt und der Bundesnachrichtendienst. Laut einem Sprecher des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sollen dort die Maßnahmen der Bundesbehörden koordiniert werden. Das BSI habe kurz vor der Veröffentlichung von Medienberichten Kenntnis von dem Hackerangriff genommen.

Bisher ist unklar, woher die erbeuteten Daten und Dokumente stammen. Die große Menge und Varianz deutet allerdings darauf hin, dass es mehrere Quellen geben muss. Zudem ist auch unklar, warum die Leaks wochenlang unerkannt verbreitet werden konnten. Derzeit bewerten die Fraktionsführungen im Bundestag den entstandenen Schaden. Politisch brisante Dokumente befinden sich nach einer ersten Durchsicht nicht in dem erbeuteten Material. Der Schaden dürfte angesichts der vielen persönlichen Daten dennoch enorm sein.

Möglicherweise über Netz des Bundestages Daten abgeflossen

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa halten es die Behörden auch für möglich, dass jemand, der durch seine Tätigkeit Zugang zu sensiblen Daten hat, diese online gestellt haben könnte. Fest stehe bereits, dass der Datenabfluss nicht über das Regierungsnetz erfolgt sei. Ein möglicher Angriffspunkt sei das Netz des Bundestages.

Ende vergangenen Jahres hatten Sicherheitsbehörden einen IT-Angriff auf Bundestagsabgeordnete entdeckt. Das bestätigte eine Behördensprecherin. Die E-Mail-Postfächer mehrerer Bundestagsabgeordneter wurden angegriffen. Angaben aus Sicherheitskreisen zufolge waren aber nicht Mailadressen des Bundestags das Ziel, sondern jene, die die Abgeordneten bei ihren Parteien haben.

Bereits mehr als drei Jahre zuvor hatten Hacker wochenlang das Computernetzwerk des Parlaments ausgespäht. Dahinter solle eine Gruppe namens Fancy Bear gesteckt haben. Welche Daten dabei erbeutet wurden, ist bis heute nicht völlig klar.

Unter den Opfern des Hackerangriffs sind auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, die Moderatoren Jan Böhmermann und Christian Ehring, Bands und Künstler wie der Deutsch-Rapper Materia und die Band K.I.Z sowie Journalistinnen und Journalisten.