Ermittler haben einen Mitarbeiter der Bundeswehr wegen mutmaßlicher geheimdienstlicher Agententätigkeit festgenommen. Das teilte die Bundesanwaltschaft mit. Der 50-Jährige, der die deutsche und die afghanische Staatsangehörigkeit besitzt, soll Erkenntnisse an einen iranischen Nachrichtendienst weitergegeben haben. Über die Festnahme hatte zuerst der Spiegel berichtet.

Demnach arbeitete Abdul-Hamid S. bislang als Sprachauswerter und landeskundlicher Berater für die Bundeswehr. Der Haftbefehl, der nun mit der Festnahme im Rheinland vollstreckt wurde, war bereits am 6. Dezember des vergangenen Jahres ausgestellt worden. S. sollte noch an diesem Dienstag einem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden.

Die Bundeswehr nutzt im Einsatz häufig gebürtige Afghanen als Dolmetscher und kulturelle Vermittler, die Soldaten auf Patrouillen begleiten und ihnen die Verständigung mit den Einheimischen ermöglichen. Zur Brisanz der Informationen, die der Beschuldigte verraten haben soll, wurde zunächst nichts bekannt.

Es ist nicht der erste Fall dieser Art. 2016 verurteilte das Münchner Landgericht einen ehemaligen Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND) wegen jahrelanger Spionage zu acht Jahren Haft. Der 32-jährige Markus R. wurde des Landesverrats und der Verletzung von Dienstgeheimnissen schuldig gesprochen. Zwischen 2008 und 2014 hatte der gelernte Bürokaufmann mehr als 200 teils streng geheime und teils brisante Dokumente des BND an die CIA weitergegeben. Dafür erhielt er mindestens 80.000 Euro. 2014 hatte er seine Erkenntnisse zudem russischen Behörden angedient.

Die Geheimdienste in Deutschland und Europa warnen seit Längerem vor einer zunehmenden Spionage durch den Iran. In Deutschland ist das Land nach Angaben des Bundesverfassungsschutzes vor allem durch das Mois, das sogenannte Ministry of Intelligence, nachrichtendienstlich tätig. Dieses habe besonders die Aktivitäten iranischer Oppositionsgruppen in Deutschland im Visier, heißt es im aktuellen Verfassungsschutzbericht von 2017. Außerdem interessiere sich das Mois für die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik. Spione würden häufig über berufliche oder familiäre Kontakte im Iran angeworben. In dem Land lebt seit Langem eine große Zahl von Flüchtlingen aus dem benachbarten Afghanistan.