Für Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus ist die neue CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer erste Anwärterin auf die nächste Kanzlerinnenkandidatur. Allerdings sieht er darin keinen Automatismus. "Es ist absolut klar, dass sie den ersten Zugriff hat", sagte der Christdemokrat dem Focus. "Wer sich von der CDU tatsächlich für das Kanzleramt bewerben wird, hängt aber vom Momentum ab, wenn die Kandidatur ansteht."

Kramp-Karrenbauer hatte sich als Nachfolgerin von Angela Merkel an der CDU-Spitze auf dem Parteitag Anfang Dezember 2018 knapp gegen Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz durchgesetzt. Merz war unter anderem von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble unterstützt worden. In der jüngsten Ausgabe des Stern hatte Schäuble im Zusammenhang mit der Kanzlerkandidatur nun den Begriff "Zugriffsrecht" kritisiert und gesagt: "Man wird sich zum gegebenen Zeitpunkt verständigen." Das wurde als abermalige Spitze gegen Kramp-Karrenbauer verstanden.

Ähnlich äußerte man sich bei der Schwesterpartei CSU. Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sagte, er halte die Debatte über eine Kanzlerkandidatur von Kramp-Karrenbauer für verfrüht. "Man weiß, dass es da zeitliche Abläufe gibt, die aus meiner Sicht einfach einzuhalten sind." Es sei aber "ohne Zweifel, dass eine Parteivorsitzende der CDU auf jeden Fall mal zu denen gehört, die in Frage kommen für eine zukünftige Kanzlerschaft", sagte Dobrindt am Rande der Winterklausur der CSU-Bundestagsabgeordneten im oberbayerischen Kloster Seeon. Die CSU wolle aber "zum jetzigen Zeitpunkt" nicht in die Personaldiskussion einsteigen.

Bayerns Landtagsfraktionschef Thomas Kreuzer pochte auf ein Mitspracherecht. "Wenn es einen gemeinsamen Unions-Kanzlerkandidaten geben soll, wovon natürlich alle ausgehen, muss das Thema zu gegebener Zeit mit der CSU diskutiert werden. Ein Automatismus wird der Bedeutung nicht gerecht", sagte Kreuzer der Bild-Zeitung. Letztlich hätten die Gremien beider Parteien zu entscheiden. Kramp-Karrenbauer habe mit ihrer Erfahrung als Ministerpräsidentin aber alle Voraussetzungen, später mal Kanzlerin zu werden. "Aber entschieden ist noch gar nichts, es wäre auch zu früh", sagte Kreuzer.