Die interessanteste Option ist ein Kauf des F-35 – das modernste Tarnkappenkampfflugzeug der USA, Indienststellung 2015. Der Beschaffungspreis der F-35 liegt zwischen der F-18 und dem vergleichsweise teuren Eurofighter. Die Kosten für Unterhalt und Flugbetrieb dürften absehbar die des Eurofighters nicht übersteigen. Entsprechende Kostenvergleiche wurden beispielsweise in Dänemark bereits angestellt. Die Leistungsfähigkeit des F-35 ist jedoch ungleich höher.

Zwar wird kein Flugzeug heute oder in zehn Jahren völlig unsichtbar für moderne Radargeräte mit geschultem Personal sein – aber der F-35 ist am dichtesten dran. Und die Leistungsfähigkeit der verbauten Sensorik für eine Übersicht im Gefecht ist von allen anderen Modellen unerreicht. Viele Nationen, von Japan über Israel bis Belgien, haben sich deshalb bereits für den F-35 entschieden. Die technologische Abhängigkeit von den USA muss dabei vorübergehend in Kauf genommen werden, selbst in Zeiten eines Präsidenten wie Donald Trump.

Was also sollte die Bundesregierung tun?

Die Bundesregierung muss dafür sorgen, dass Deutschland im aktuellen sicherheitspolitischen Umfeld handlungsfähig und glaubwürdig bleibt. Zugleich sollte sie unsere französischen Partner nicht verunsichern, mit denen wir zusammen am FCAS-Projekt bis 2040 arbeiten.

Signal der Entspannung nach Paris

Die sinnvollste Lösung ist deshalb, zeitnah eine kleinere Stückzahl der F-35 – etwa ein Geschwader mit 35 bis 40 Flugzeugen – anzuschaffen, um unsere Aufgabe der nuklearen Teilhabe innerhalb der Nato zu erfüllen.

Für die anderen Aufgaben der derzeit genutzten 93 Tornados, etwa die Aufklärung aus der Luft, kann der Eurofighter fortentwickelt werden. Mit dem Erwerb von zusätzlichen Exemplaren und dem späteren Übergang dieser Aufgaben auf die in den Anfängen stehende deutsch-französische Gemeinschaftsentwicklung würde auch ein Signal der Entspannung nach Paris gesendet. Denn so halten wir am gemeinsamen europäischen Zukunftsprojekt FCAS fest. Nicht nur sicherheitspolitische, sondern auch rüstungspolitische Interessen können so gewahrt werden.

Die Zeiten, in denen Beschaffungsentscheidungen für die Bundeswehr vor allem getroffen wurden, um Industriepolitik zu betreiben, müssen vorbei sein. Die Lage ist zu ernst, um unsere Soldaten mit Material in einen Auftrag zu schicken, mit dem sie diesen realistisch nicht erfüllen können.

Es ist Zeit, neu zu denken, auch in der Sicherheitspolitik. Es ist Zeit, dass wir unsere Verteidigung im Bündnis unter der Prämisse der bestmöglichen Verteidigungsfähigkeit organisieren. Klingt selbstverständlich, ist es bisher aber leider nicht. In Kürze wird das Bundeskabinett für die Nachfolge des Tornados einen Vorschlag machen. Es steht zu hoffen, dass Ministerin von der Leyens zahlreiche Berater sie diesmal gut informiert haben.