Der Bundesrechnungshof macht einem Medienbericht zufolge das Bundesverteidigungsministerium für die immensen Kosten der Reparatur des Segelschulschiffs Gorch Fock verantwortlich. Die Instandsetzung sei von Beginn an nicht richtig geplant worden, die Schäden am Rumpf seien zu keinem Zeitpunkt korrekt und umfänglich untersucht und bewertet worden, berichtete der Spiegel unter Berufung auf einen vertraulichen Bericht des Rechnungshofes. Dieses Fehlverhalten habe über Jahre zu zu niedrigen Kostenschätzungen geführt.

Dem Bericht zufolge kritisiert der Bundesrechnungshof zudem, dass die Bundeswehr "vor Beginn der Instandhaltungsmaßnahme keine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung" durchgeführt habe. Es sei nie ernsthaft überprüft und berechnet worden, ob der Bau eines neuen Schiffs günstiger als die Reparatur gewesen wäre. Offenbar habe die Marine die Gorch Fock trotz der starken Schäden retten wollen, heißt es. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums bestätigte die Existenz des Rechnungshofberichts.

"Völlige Verkennung der Sachlage"

Dem Spiegel zufolge deuteten die im Prüfbericht genannten Beiträge aus internen Besprechungen "entweder auf eine völlige Verkennung der Sachlage oder den unbedingten Willen zum Weiterbetrieb der Gorch Fock hin". Aus vorliegenden Informationen seien nicht die notwendigen Konsequenzen gezogen worden.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen soll von diesem Fehlverhalten direkt betroffen sein: Zweimal sei die Ministerin über das wahre Ausmaß der Schäden und die Kosten der Instandsetzung des Schiffes im Unklaren gelassen worden, berichtete der Spiegel. Anfang 2017 und im März 2018 hatte von der Leyen mit Leistungsvorlagen die Fortsetzung der Arbeiten genehmigt. Beide Vorlagen enthielten dem Bericht nach "falsche Zahlen und zu optimistische Risikoeinschätzungen".

Um 125 Millionen Euro verschätzt

Die Gorch Fock wurde im Jahr 1958 gebaut. Seit 2016 wird der Dreimaster überholt. Ursprünglich waren die Kosten der Reparatur mit zehn Millionen Euro veranschlagt worden – mittlerweile gehen Schätzungen von 135 Millionen Euro aus. Im Juni vergangenen Jahres hatte der Bundesrechnungshof ein Prüfverfahren eingeleitet. 

Im Dezember 2018 hatte das Verteidigungsministerium einen vorläufigen Zahlungsstopp angewiesen. Ein Grund war neben den Kosten der Verdacht der Korruption eines Werft-Mitarbeiters.