Doch was Human Rights Watch mit seiner positiven Botschaft zu Recht ins öffentliche Bewusstsein rückt: Viele Journalisten – und ich schließe mich da ausdrücklich mit ein – nehmen häufig nur die schlechten Nachrichten wahr, die guten werden ausgeblendet oder als unwichtig empfunden, weil sie angeblich niemanden interessieren würden. Doch die alte Mediendevise "good news is no news, only bad news is news" verstellt allzu oft den Blick.

Natürlich müssen die unzähligen Menschenrechtsverbrechen aufgedeckt und unablässig angeprangert werden. Das ist Journalistenpflicht. Doch sollte man darüber die Erfolge nicht vergessen. Denn gerade bei Menschenrechtsverletzungen kann ein Blickwechsel nützlich und erhellend sein, zeigt er doch, welche Aktionen, Maßnahmen, Gesetze und Sanktionen helfen können, um eine schlimme Situation zu verbessern.

Im Rückblick auf das Jahr 2018 lassen sich dafür einige Beispiele finden: Zwar hat der Volkswille in Brasilien Autokraten an die Macht gebracht. Aber anderswo hat er Despoten und selbstherrlichen Regenten Grenzen gesetzt und sie mitunter sogar aus dem Amt gejagt.

Die internationale Gemeinschaft ruht nicht

Die Menschen aus Malaysia, der Malediven und Armeniens haben ihre korrupten Regierungschefs abgewählt. Die Amerikaner verpassten Donald Trump bei den Halbzeitwahlen einen schmerzlichen Dämpfer. In Warschau und Budapest demonstrierten Zigtausende und setzten ihre Regierungen unter Druck; die EU strengte gegen Polen und Ungarn wegen der Gefährdung fundamentaler Grundwerte ein Rechtsstaatsverfahren an. Sanktionen zwangen das saudische Regime zum Einlenken. Es ließ erstmals humanitäre Hilfslieferungen für die Not leidende jemenitische Bevölkerung zu.

Ein weiteres Beispiel: Von Rechts wegen müssten Myanmars brutale Machthaber wegen Vertreibung, Ermordung und Vergewaltigung Hunderttausender muslimischer Rohingya vor dem Internationalen Strafgerichtshof angeklagt werden. Doch dazu wird es einstweilen nicht kommen, denn die dafür notwendige Resolution hat im UN-Sicherheitsrat keine Chance wegen des drohenden Vetos von China und Russland.

Trotzdem ruht die internationale Gemeinschaft nicht, in Genf hat sich die UN-Menschenrechtskommission der Sache angenommen. Sie besitzt natürlich nicht die Macht und Kraft des Sicherheitsrats. Aber die Mehrheit der Kommission hat entschieden, die Menschenrechtsverbrechen des Regimes von Myanmar zu dokumentieren und Belege darüber zu sammeln und zu sichern. So wird ein Tribunal, falls es eines Tages zustande kommen sollte, auf jeden Fall nicht aus Mangel an Beweisen scheitern.

Gute Nachrichten wie diese werden oft nicht publik oder erscheinen unter ferner liefen. Dabei sind sie wichtig, denn sie machen Mut, geben Ansporn und können ein Lehrbeispiel sein. Sie verdrängen und überdecken auch nicht die vielen krassen Missstände. Im Gegenteil, im Licht der Erfolgsmeldungen werden schwere Menschenrechtsverletzungen oft noch sichtbarer.