Führende Sozialdemokraten kritisieren Olaf Scholz' Aussagen zu seiner möglichen Kanzlerkandidatur. "Das Letzte, was die SPD vor der so wichtigen Europawahl braucht, ist es, eine Kanzlerkandidatendebatte zu führen", sagte Sebastian Hartmann, Landesvorsitzender der SPD in Nordrhein-Westfalen, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Ich erwarte nach dem schwierigen Jahr 2018, dass sich alle Vertreter der Parteiführung auf die wesentlichen Dinge konzentrieren."

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner sprach sich erneut für eine Urwahl des nächsten Kanzlerkandidaten aus. "Ich glaube, dass wir mit mehreren Bewerbern um die Kanzlerkandidatur gut beraten wären", sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Die meisten Mitglieder wünschten sich einen Wettbewerb. "Wir haben mit Selbstausrufungen nicht die besten Erfahrungen gemacht", sagte Stegner.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil sagte der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung: "Im Moment stellt sich diese Frage innerhalb der SPD nicht besonders dringlich, denn bis zu der nächsten Bundestagswahl sind es noch mehr als zwei Jahre."

Scholz war von der Bild am Sonntag gefragt worden, ob er sich das Kanzleramt zutraue. Darauf hatte er geantwortet: "Ja. Frau Kramp-Karrenbauer hat gerade gesagt, dass von einer Parteivorsitzenden erwartet wird, dass sie sich das Amt zutraut. Für einen Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland gilt das Gleiche." Weder bei der Union noch bei der SPD stünde diese Frage heute aber an, sagte Scholz.