Die Zahl der bei Dienstantritt minderjährigen Rekruten in der Bundeswehr ist einem Bericht zufolge 2018 erstmals seit Jahren gesunken. Wie die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) unter Berufung auf Zahlen des Verteidigungsministeriums berichtete, stellte die Bundeswehr im vergangenen Jahr 1.679 Soldatinnen und Soldaten ein, die bei Dienstantritt noch nicht volljährig waren. Das bedeutet einen Rückgang um etwas mehr als 20 Prozent im Vergleich zu 2017, als die Bundeswehr mit 2.128 Soldaten so viele Minderjährige wie noch nie ausgebildet hatte. Demnach ist es zudem das erste Mal seit 2013, dass die Zahl minderjähriger Rekruten bei der Bundeswehr wieder gesunken ist. 2013 waren bei der Bundeswehr noch 1.152 Minderjährige angestellt.

Im vergangenen Jahr befanden sich unter den Minderjährigen nach Ministeriumsangaben 313 junge Frauen. Nach dem Absolvieren ihrer sechsmonatigen Probezeit seien 60 Prozent der 17-jährigen Rekruten volljährig gewesen. Der Anteil der Minderjährigen an den insgesamt 20.012 eingestellten Soldaten sank 2018 im Vergleich zum Vorjahr von 9,1 auf 8,4 Prozent.

Gründe für den Rückgang im vergangenen Jahr nannte das Verteidigungsministerium dem Bericht zufolge nicht. Eine Sprecherin sagte der Zeitung, an der Einstellungspraxis der Bundeswehr habe sich nichts geändert. Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels (SPD), sagte der NOZ: "Der Trend geht in die richtige Richtung." Die Einstellung Minderjähriger müsse in der Bundeswehr "die Ausnahme bleiben". Bartels verwies darauf, dass in den Wehrpflichtzeiten laut Grundgesetz erwachsene, mündige Staatsbürger in Uniform zum Wehrdienst verpflichtet waren, mindestens 18-Jährige: "Diesen Maßstab sollte die Regierung immer im Auge behalten."

Kritik an Einstellungspraxis

Nach Ansicht der Linken hat die öffentliche Kritik der vergangenen Jahre Wirkung gezeigt. Diese habe "so manche Jugendliche oder deren Eltern von der Idee wieder abgebracht", sagte der kinder- und jugendpolitische Sprecher der Linke-Fraktion, Norbert Müller. Ein weiterer Grund könne sein, dass auch Arbeitgeber mit einem ähnlichen Anforderungsprofil nachgelegt hätten, etwa die Bundespolizei oder der Zoll. Müller forderte einen Anwerbestopp für Menschen unter 18. "In diesem Alter dürfen junge Menschen in der Regel weder wählen noch Auto fahren, aber ausgerechnet die militärische Ausbildung wollen wir ihnen erlauben", sagte er der NOZ.

Das Verteidigungsministerium verteidigt die Praxis. "Die bestehende Rekrutierungspraxis der Bundeswehr steht in vollem Einklang mit den völkerrechtlichen Verpflichtungen Deutschlands", sagte eine Sprecherin.

Bewerber für die Bundeswehr müssen mindestens 17 Jahre alt sein. Außerdem brauchen sie die Zustimmung ihrer Eltern für den Dienst beim Militär und sie müssen eine sechsmonatige Probezeit absolvieren. Minderjährige Soldatinnen und Soldaten sind zudem von bestimmten Arbeiten, etwa Wachdiensten oder Auslandseinsätzen, ausgeschlossen.