Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) will ein deutschlandweites Insektenschutzgesetz. Das Vorhaben ist Teil eines Aktionsprogramms Insektenschutz, das am Freitag in die Abstimmung zwischen den Ressorts gegangen war und über das die Bild am Sonntag zuerst berichtet hatte. Damit will die Bundesregierung dem Insektensterben entgegenwirken. "Wir Menschen brauchen die Insekten. Sie verdienen Schutz durch ein eigenes Gesetz", sagte Schulze dem Blatt: "Damit schützen wir nicht nur Hirschkäfer und Erdhummeln, sondern vor allem uns selbst."

Das geplante Gesetz solle verbindliche Vorgaben machen, etwa im Naturschutzrecht, im Pflanzenschutzrecht, im Düngerecht oder im Wasserrecht, sagte die Ministerin. Zudem will sie die Forschung zum Insektenschutz in Deutschland und Europa mit zusätzlichen 100 Millionen Euro im Jahr fördern. Außerdem soll es klare Vorgaben für eine "umwelt- und naturverträgliche Anwendung von Pestiziden und deutliche Reduzierung des Eintrags von Pestiziden und anderen Schadstoffen in Insektenlebensräumen" geben.

Das Programm muss vor allem mit dem von der CDU geführten Agrarministerium abgestimmt werden. Dem Bericht der Bild am Sonntag zufolge will Schulze das Aktionsprogramm im April ins Kabinett einbringen.

Jede dritte Art droht auszusterben

Etwa 70 Prozent der in Deutschland lebenden Tierarten sind Insekten. Eine aktuelle Übersichtsstudie, die im Journal Biological Conservation (Sánchez-Bayo/Wyckhuys, 2019) erscheinen wird, zeigt auf, dass weltweit ein Drittel der Arten vom Aussterben bedroht sind. Als größte Treiber des Insektensterbens identifizierten die Autoren der Studie den Verlust von Lebensraum durch intensive Landwirtschaft sowie die zunehmende Urbanisierung. Chemische Schadstoffe wie Pestizide und synthetische Düngemittel, eingeschleppte Arten aus anderen Regionen sowie der Klimawandel kämen als Ursachen hinzu.

In Bayern war vergangene Woche die Eintragungsfrist für das Volksbegehren Rettet die Bienen abgelaufen. Mit rund 1,75 Millionen Unterstützern ging der Volksantrag als bislang erfolgreichster in die Geschichte des Freistaats ein. Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner fordern unter anderem, dass der Einsatz von Pestiziden in Bayern zurückgefahren wird und deutlich mehr Blühwiesen geschaffen werden.