Die Dauer der Asylverfahren ist im dritten Quartal des vergangenen Jahres in Deutschland auf durchschnittlich sechs Monate gesunken. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor, wie die Zeitungen der Funke Mediengruppe berichteten. Im ersten Quartal 2018 hatte die durchschnittliche Dauer demnach noch bei etwa neun Monaten gelegen.

Damit hat die Bundesregierung ihr selbst gestecktes Ziel erneut nicht erreicht: Zu Beginn der verstärkten Migration nach Europa im September 2015 hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten darauf verständigt, Asylverfahren in drei Monaten abzuschließen.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) hatte sich in den vergangenen zwei Jahren mit einer hohen Zahl von älteren Fällen beschäftigt. Fast 60.000 Geflüchtete warteten noch Ende 2016 länger als 18 Monate auf ihren Asylbescheid. Ende September 2018 waren es noch knapp über 4.000 Geflüchtete.

Wie lange Geflüchtete auf einen Asylbescheid warten, hängt stark vom Herkunftsland ab. So dauerten im Herbst 2018 die Verfahren von Menschen aus Pakistan der Antwort der Bundesregierung zufolge etwa neun Monate, während Afghanen siebeneinhalb Monate warteten. Besonders lang dauern derzeit auch die Asylverfahren von unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten: Im Herbst 2018 lagen die Bearbeitungszeiten bei durchschnittlich fast acht Monaten. 

Kritik von der Linkspartei

"Die Bundesregierung hat ihr selbst gestecktes Ziel von drei Monaten Asylverfahrensdauer krachend verfehlt", sagte die innenpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, Ulla Jelpke, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Im Rahmen sogenannter Widerrufsprüfungen werde der Schutzstatus zumeist ohne Ergebnis wieder infrage gestellt.  Eine solche Prüfung führt das Bamf drei Jahre nach einem positiven Asylbescheid durch. Geprüft wird, ob die Gründe für das Asyl weiterhin vorliegen.

Diesen Prozess kritisierte Jelpke. Das Personal des Bamf solle lieber für die Prüfung der Asylanträge eingesetzt werden. Die Behörde könne entlastet werden, wenn es "ein unkompliziertes Bleiberecht" für alle Menschen gebe, deren Asylverfahren schon länger als zwölf Monate anhängig sind.