Um das zu schaffen, verschärft die CDU nun ihr Verständnis von Law and Order: Der zeitraubende Gang vor höhere Verwaltungsgerichte soll abgelehnten Asylbewerbern künftig versperrt werden. Menschen, deren Duldung ausläuft, soll die Polizei inhaftieren können, sollte der Verdacht bestehen, dass sie untertauchen. Wer nach Ablehnung und Rückkehr wieder einreise oder seine Identität verschleiere, soll keine Sozialleistungen mehr erhalten. Damit die Flüchtlinge nicht "Welcome-Party in der Aufnahmeeinrichtung feiern", wie der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl sagt. Während der Präsentation wird schnell klar: Bei der Suche der CDU nach dem richtigen Verhältnis von Humanität und Härte soll Erstere künftig nur noch den wirklich Bedürftigen zuteil werden.

Kramp-Karrenbauer weiß nun, was ihre Partei konkret will. Ob es durchsetzbar ist, werden die nächsten Koalitionsverhandlungen zeigen. Denn im derzeit geltenden Vertrag von CDU, CSU und SPD ist zwar schon einiges vereinbart, was die Experten der Union nun auch empfahlen, etwa die Bekämpfung von Fluchtursachen, konsequentere Abschiebungen oder schnellere Asylverfahren. Doch die Vorschläge der CDU-Basis gehen darüber hinaus, wie die Forderung nach einer Verkürzung von Rechtswegen, dem Entzug von Sozialleistungen oder nach einer präventiven Haft für Abzuschiebende zeigen. Deshalb müsse die CDU nun "in die politische Diskussion gehen", sagt Kramp-Karrenbauer.

So kann sich die Vorsitzende erstmal zurücklehnen: Sie ließ erst am Vorabend ergebnisoffen vier Wissenschaftler die Probleme der Migration nach Europa erörtern. Dann ließ sie 100, von der Bundesgeschäftsstelle bundesweit handverlesene Menschen arbeiten – Politiker von der Basis, Bürgermeister, Richter und Juristen, Flüchtlingshelfer, aber auch Unions-Hardliner wie den baden-württembergischen Innenminister Strobl oder seinen bayerischen Amtskollegen Joachim Herrmann. Diese Praktiker diskutierten und entwarfen diesmal die politischen Leitlinien – nicht wissenschaftliche Mitarbeiter und angestellte Referenten. Was sich konkret davon in Regierungshandeln umsetzen lässt, liegt nicht allein in Kramp-Karrenbauers Hand.

Mit dem Verlauf und den Ergebnissen der zweitägigen Debatte ist sie gleichwohl hochzufrieden. Mehrfach lobt sie das im Internet live übertragene Werkstattgespräch mit seinen 50.000 Online-Zuschauern als Zukunftsmodell – als Signal an die Partei: Eure Meinung ist mir wichtig. Von Merkel unterscheidet sie sich eher im Stil als im Inhalt. Für den Moment zumindest befriedet das die Partei.